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Donnerstag, April 15, 2021
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Habiba Sarabi: Eine afghanische Politikerin engagiert sich für Frieden und Frauenrechte

ALMANYALILAR – Die Afghanerin Habiba Sarabi, geboren 1956, war die einzige Schwester von fünf Brüdern. „Meine Mutter erlebte viel Schmerz. Das ist der eine Grund, warum ich mir selbst versprach, eine Ausbildung zu erhalten. Der zweite Grund war, dass ich meinen Vater herausfordern wollte und ihm beweisen, dass ich besser als seine Söhne bin.“ Sie studierte Pharmakologie an der Universität Kabul und spezialisierte sich in Indien in Hämatologie.

Als sie dann in Afghanistan an einer Medizinschule arbeitete, ergriffen die radikal-islamischen Taliban die Macht und regierten von 1996 bis 2001. Sarabi floh nach Pakistan, um ihren Kindern den Schulbesuch weiterhin zu ermöglichen. Dafür verkaufte sie ihr letztes Paar goldene Ohrringe.„Jetzt hat meine Tochter zwei Mastertitel und arbeitet für die UNO; einer meiner Söhne ist Arzt in der Türkei und der andere ist Architekt“, sagt sie stolz. In Pakistan arbeitete sie als Aktivistin für Frauenrechte und Bildung. Sie unterrichtete sie Mädchen und Frauen in pakistanischen Flüchtlingscamps und gründete zusammen mit ihrem Ehemann geheime Schulen in Afghanistan.

Seit dem Sturz der Talibanregierung engagiert sie sich als Politikerin und Reformerin. Von 2002 – 2004 hatte sie den Posten der Frauenministerin inne. 2005 wurde sie zur ersten weiblichen Gouverneurin der Provinz Bamiyan ernannt. Sie erhielt die asiatischen Friedenspreise „Ramon Magsaysay“ (2013) und „N-Peace“ (2016) für ihre Leistungen zur Förderung einer guten Regierungsführung, der Mädchenbildung und der Frauenrechte. Sie ist überzeugt: “Die Einstellung der Männer zu Frauen muss sich ändern. (…) Ich möchte, dass jeder Mann in diesem Land an das Potential der Frauen glaubt.“

Habiba Sarabi, Fatima Gailani, Sharifa Zurmati Wardak and Fawzia Koofi sind die einzigen Frauen in der 21-köpfigen Delegation der afghanischen Regierung bei den Friedensverhandlungen mit den Taliban in Qatar, die am 12. September 2020 begannen. Sie sind hoffnungsvoll, dass der schon 20 Jahre dauernde Krieg beendet werden kann, ohne dass wiedergewonnene Frauenrechte aufgegeben werden müssen. „Die Taliban sollten verstehen, dass dies nicht die Zeit zum Kämpfen ist, sondern zum Reden.“ Es habe genug Leiden gegeben, und die jüngere Generation auf beiden Seiten verdiene ein besseres Leben.

Svenja Ipsen / 14.03.2021

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