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Freitag, Januar 22, 2021
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Interview mit dem Krimiautor Mathias Berg über seinen Roman “Der Preis der Rache”

ALMANYALILAR – Über den Kriminalroman “Der Preis der Rache” fragten wir den Autor Mathias Berg. Er gab uns Informationen über seine eigensinnige Protagonistin Lupe Svensson, die eine junge forensische Psychologin ist, und während ihrem Praktikum den Fall “Fußmörder” aufklärt.

ALMANYALILAR: Als ich zu Beginn des Lesens einem Baby begegnete, wollte ich gleich das Buch beiseiteschaffen. Mit gewöhnlichem Vorurteil dachte ich mir: Noch ein Autor, der für sein Werk bereit ist über (Baby) Leichen zu gehen. Nachdem ich aber ein weiteres Kapitel las, war ich schnell fasziniert von diesem Anstieg und wusste sofort wer dieses Baby ist. Wie kamen Sie dazu mit einem Baby anzufangen und warum haben sie es am Leben gelassen?

Mathias Berg: Ich wollte den Leser*innen einen Moment der Hoffnung bieten und zugleich einen Ausblick. Denn wer den Prolog liest, weiß sofort: dieser Person werden wir in dem Kriminalroman als Erwachsener begegnen, der genau dieses Kind in sich trägt. Es macht klar, wie ungewöhnlich die Biografie ist, die ihre Spuren hinterlassen hat. Hinterlassen muss. Und es ist der Blick auf eine Lücke in der persönlichen Entwicklung, die nicht zu schließen ist.

Gewöhnlich begegnet man bei Protagonisten und Autoren, die verschiedene Geschlechter besitzen öfters eine öde, langweilige und unweigerliche Erfolglosigkeit, welche allerdings bei Ihnen nicht der Fall ist. Was würden Sie darüber sagen, wieso Lupe Svensson so ausführlich, glaubwürdig und lebendig wurde?

Ich wollte eine junge Frau in den Mittelpunkt stellen, die einerseits mit besonderer Stärke und Begabung ausgestattet ist, zugleich aber auch deutliche Defekte hat. Warum? Weil Menschen nicht perfekt sind. Es muss immer auch etwas in der anderen Waagschale liegen. Da die Story aus Lupes Perspektive erzählt wird und auch noch in der Ich-Form, ist die Leserschaft dicht dran an der Figur, dichter geht es nicht. Wir schlüpfen in ihre Haut und sehen und fühlen die Welt mit ihren Augen. Ich denke, es ist diese Tiefe der Empfindung, die die Figur so greifbar und lebendig macht.

“Der Preis der Rache” ist ein außergewöhnlicher Kriminalroman. Was diesen Roman nach meiner Meinung so außergewöhnlich macht, ist die junge forensische Psychologin, eine unübliche Praktikantin, die das Bullenteam verstärkt und dabei teilweise sogar mehr leistet als die Polizei. Sie erfüllt Otto Hagedorn nach so vielen Jahren einen Dienst und hilft dabei den Fußmörder zu finden. In vielen Stellen ist sie wichtiger als er, was im wahren Polizeileben unglaubwürdig scheint aber im Roman sehr überzeugend abgearbeitet wurde. Warum geht eine unerfahrene Psychologin anders damit um als ein erfahrener Kriminalkommissar und leistet dabei eine hervorragende Arbeit, die uns überzeugt?

“Der Preis der Rache” ist ein außergewöhnlicher Kriminalroman.

Ich wollte Lupes Geschichte erzählen, wie sie die Polizeiarbeit wahrnimmt und sich langsam einarbeitet und mitschwimmt. Als Psychologin bringt sie einen anderen professionellen Background mit und betrachtet bestimmte Ermittlungsschritte und Befragungen mit einer anderen Brille als ein ausgebildeter Polizist. Und sie hat eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die diese Heldenreise trägt und glaubwürdig macht. Im zweiten Band wird genau dieses Rollenproblem von Lupe übrigens im Fokus stehen.

Ich fand die Abbruchstelle des Romans, wodurch die Mitte des Werkes verrutschte, der Überfall in Stockholm. Auf einmal weist der Roman einen erheblichen Stilbruch vor, welcher weder glaubwürdig scheint, noch die Ereignisse des Romans bzw. der Erzählung verstärkt. Was haben einfache gemeine Kriminelle und hoch politische Linksradikale gemeinsam? Warum haben Sie es nötig gehabt die Erzählung in so eine schwierige Lage zu bringen und sie mit so einer ungelungenen Entwicklung sehr künstlich regelrecht abgeschlachtet?

Was Sie kritisieren, fanden andere Lesende gerade reizvoll und machte für sie den Turbo der Geschichte aus. Die Verbindung zur RAF ist ein wichtiger Teil der Figur der Su und somit die Geschichte einer ungewöhnlichen Frau im Jahr 1975, die Verbindung zu dieser Gruppe hat und mit ihr sympathisiert. Es ist der Hintergrund, aus dem sich ihr späteres Handeln begründet.

Für einen Kriminalroman sind 430 Seiten für Taschenformat viel zu viel. Obwohl der Roman mit der Hälfte der Länge ein hervorragendes Werk wäre. Je länger der Roman desto erfolgloser, sagt man. Warum haben Sie diese Regel nicht eingehalten? Warum musste der Roman so lang sein?

Da sind Sie aber unnötig streng. Die meisten Krimis und Thriller auf dem Markt bewegen sich in dem Umfang, aber letztlich ist die Länge eines Buches völlig unerheblich. Mein Verlag hat mir bei der Seitenzahl freie Hand gelassen und keinerlei Beschränkungen auferlegt. Eine Geschichte braucht so lange, bis sie erzählt ist. Und diese brauchte am Ende 430 Seiten, um zu einem Ende zu kommen.

Dennoch ist es Ihnen beim Ende des Romans auf alle Fälle gelungen ein rundes Ende zu schaffen und damit das Werk außergewöhnlich und von meiner Seite unvergesslich zu machen. Werden wir weitere Fälle von Lupe Svensson erfahren?

Auf jeden Fall, es geht weiter mit Lupe und Otto. Der zweite Band, „Der Lohn des Verrats“, wird im April als ebook bzw. Anfang Mai 2021 als Printausgabe im Buchhandel erhältlich sein.

Danke schön.

Süleyman Deveci / 30.11.2020

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