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Mittwoch, November 25, 2020
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Interview mit dem Romancier Achim Freudenberg

ALMANYALILAR- „Autorenreden“ setzt dieses Mal mit einem Romancier fort. Dieses mal haben wir mit einem Soziologen und Redakteur zu tun, Achim Freudenberg. Er hat uns über seine Schreibwelt und den Debütroman „Das Mädchen auf der anderen Seite“ erzählt:

Almanyalılar: Sie haben Soziologie studiert und sind als Redakteur und Radiomoderator immer noch tätig. Wie ist es bei Ihnen zugegangen. Wie kamen Sie dazu einen Roman zu schreiben?

Achim Freudenberg: Das muss ich kurz korrigieren: Während meines Studiums habe ich beim Radio gearbeitet, heute arbeite ich als Marketingredakteur.

Zum 13. Geburtstag habe ich mir eine elektrische Schreibmaschine gewünscht, weil ich endlich meinen ersten Detektivroman schreiben wollte. Ich bin bis Seite 15 gekommen, aber die Leidenschaft war erwacht. Bis zur ersten Veröffentlichung sollte es noch einige Zeit dauern. Bis dahin habe ich schlechte Gedichte und merkwürdige Kurzgeschichten geschrieben. In einer der ersten habe ich mich einer Freundin entledigt, mit der ich nicht mehr zusammen sein wollte. Das kriminelle Element war bereits früh in meiner Arbeit vorhanden. Mit Mitte 30 habe ich meinen ersten Krimi geschrieben, der aber nie veröffentlicht wurde. Aber immerhin hatte ich mir bewiesen: Du hast das nötige Sitzfleisch, um einen langen Text zu verfassen. Dann lobte der Rowohlt Verlag eine Krimi-Schule aus, bei der ich mich mit einem neuen Manuskript beworben habe. Ich hatte enormes Glück und zwei Jahre später erschien dort mein Debütroman „Das Mädchen auf der anderen Seite“. Ein großartiges Gefühl!

Zu ihrem Debütroman werden wir gleich kommen. Mit einem ersten Werk gelingt es nicht jedem sofort Erfolg zu haben. Wie ist es bei Ihnen gewesen? War der Roman gut geschrieben, oder verstehen Sie vom Marketing mehr als andere Autoren?

Mein erster Roman markiert für mich vor allem den Beginn einer ernsthaften Karriere als Autor. Ich werde nie vergessen, wie meine Lektorin zu mir sagte: „Schreiben kannste!“. Zum ersten Mal lasen mir völlig fremde Menschen meine Arbeit und gaben mir ihr Feedback, das war komplett neu für mich. Der Roman selbst war mein Versuch, das Genre Krimi auszuweiten und mit einer mystischen Komponente aufzuladen. Ich wollte etwas Neues ausprobieren. Und darum geht es ja beim Schreiben.

Worum geht es in „Das Mädchen auf der anderen Seite“, was wollen Sie uns damit erzählen und wie geht es weiter? Am besten kann ein Autor sein Werk erklären, daher besteht diese Frage…

Es geht um die Radiomoderatorin Eva Bottin, deren bester Freund spurlos verschwindet. Als sie sich auf die Suche macht, erleidet sie einen Verkehrsunfall und entdeckt ein Mädchen am Straßenrand, dass nur sie sehen kann. Erst langsam begreift sie, dass dieses Mädchen tot ist und mit ihr Kontakt aufnimmt, um ihr helfen will, den vermissten Freund zu finden. Mit dieser ungewöhnlichen Begabung muss sie erst mal zurecht kommen und lernen, sie für sich zu nutzen. Ich fand es spannend eine Figur mit einer solchen Begabung auszustatten und mit einem Vermisstenfall zu kombinieren. Der Verlag hatte entschieden, die Reihe nach dem ersten Band nicht fortzuführen. Eine Fortsetzung liegt bereits in der Schublade und vielleicht erblickt sie eines Tages das Licht der Welt.

„Atmen ist das Ergebnis einer koordinierten Muskeltätigkeit. Wir müssen atmen, um zu leben. Den angeborenen Atemreiz können wir nicht unterdrücken, wie zum Beispiel das Niesen oder das Husten. Wenn der Reiz kommt, strömt Luft über die Atemwege in unsere Lungen. Wenn wir aber unter Wasser sind, haben wir ein Problem. Unser Verstand weiß, dass wir nicht einatmen dürfen. Er sorgt dafür, dass wir so lange wie möglich die Luft anhalten und den Drang zu atmen unterdrücken.“

Wie hat Corona Sie persönlich getroffen? Was für Pläne mussten sie verschieben, was haben Sie nicht sitzengelassen und direkt erledigt? Also wie hat die Pandemie sie als Autor beeinflusst?

Corona hat mir in der Anfangsphase zusätzliche freie Zeit und eine Konzentration auf das Schreiben beschert. Da ich nicht wirtschaftlich davon abhängig bin, konnte ich mich ganz auf meinen neuen Krimi fokussieren. Die äußeren Ablenkungen wurden ja weniger. Ein positiver Aspekt für einen Autor, der vom Rückzug lebt. Im Verlauf der Pandemie sind Lesungen nicht zustande gekommen, was äußerst schade war und ist. Einen Einfluss auf das Storytelling hat Corona bei mir momentan nicht.

Was finden sie als Buchautor schwierig, also was sehen Sie als das größte Hindernis bei Ihren Schreibtätigkeiten und warum?

Schreiben ist ein einsames Geschäft. Als Autor ziehe ich mich vor der Welt zurück, schließe mich ein und imaginiere eine Welt und Figuren, spinne Fäden, baue Leben auf und zerstöre sie wieder. Manche Schreibtage sind großartig, andere wiederum sind gruselig und enttäuschend. Das muss man als Autor aushalten können. Die Selbstzweifel kommen immer wieder, gerne mal fies von hinten und völlig unerwartet. Aber ich habe meine Taktik gefunden, damit umzugehen. Hindernisse habe ich ehrlich gesagt keine. Schreibblockaden kenne ich nicht. Mein Notizbuch ist voll von Ideen und füllt sich stetig weiter.
Obwohl, doch, ein Hindernis habe ich: Zeit. Davon ist stets zu wenig vorhanden.

Dankeschön.

19.10.2020

Süleyman Deveci

Seine Webseite

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