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Dienstag, Oktober 20, 2020
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Nachrichtensperre über Ermittlungen zu Hubschrauber-Folter

Die Staatsanwaltschaft Van hat eine Nachrichtensperre über Einzelheiten der Hubschrauber-Folter an Servet Turgut und Osman Şiban verhängt. Zudem wurde die Ermittlungsakte unter Geheimhaltung gestellt.

Die Staatsanwaltschaft Van hat eine Nachrichtensperre über die Hubschrauber-Folter an Servet Turgut und Osman Şiban in Wan verhängt. Die Anordnung betrifft nicht offizielle Verlautbarungen. Zudem ist die Ermittlungsakte als Verschlusssache eingestuft worden. Aus „Gründen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“, heißt es zur Argumentation. Der Opferanwalt Baran Bilici bestätigte die Nachrichtensperre.

Die beiden kurdischen Dorfbewohner Servet Turgut und Osman Şiban waren am 11. September zwischen Şirnex und Wan während der Feldarbeit von Soldaten einer türkischen Operationseinheit festgenommen worden. Nach schwerer Folter wurden sie aus einem Militärhubschrauber gestoßen, dabei erlitten sie schwere Verletzungen. Während der 50-jährige Osman Şiban inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen wurde, aber weiterhin unter einer Amnesie leidet, ist der fünf Jahre ältere Servet Turgut am Mittwoch seinen Verletzungen erlegen.

Nachrichtensperren sind in der Türkei nicht unüblich. Insbesondere werden sie nach Vorfällen erlassen, bei denen alle Anzeichen auf eine Urheberschaft staatlicher Kräfte hindeuten, und gelten im Grunde als Eingeständnis.

Aus Hubschrauber geworfener Zivilist in Wan beerdigt

„Der in Wan nach seiner Festnahme aus einem Militärhubschrauber gestoßene Kurde Servet Turgut ist beerdigt worden. Sein Bruder erklärte: „Wir appellieren an die ganze Welt. Niemanden darf widerfahren, was diesem Menschen angetan worden ist.“ „

Servet Turgut ist in Wan beerdigt worden. Der 55-jährige Vater von sieben Kindern ist heute im Krankenhaus den Verletzungen erlegen, die er vor knapp drei Wochen nach seiner Festnahme erlitten hatte. Alle Hinweise deuten darauf hin, dass er aus einem Militärhubschrauber gestoßen worden ist.

Sein Leichnam wurde von Angehörigen aus der Gerichtsmedizin im Universitätskrankenhaus Wan nach Êrdmed (auch Ertemêtan, türk. Edremit) überführt. Die Familie wurde von zahlreichen Menschen begleitet, darunter Politikerinnen und Politiker der HDP und Mitglieder des Verein MEBYA-DER. Der Friedhof Yenimahalle in Êrdmed wurde von der Polizei abgeriegelt, zugelassen zur Beerdigung wurden nur nahe Verwandte.

Bei der anschließenden Trauerfeier sagte der Bruder des Verstorbenen, Naif Turgut: „Wir appellieren an die ganze Welt. Niemanden darf widerfahren, was diesem Menschen angetan worden ist. Er hat sein Haus verlassen, um aufs Feld zu gehen. Er war ein armer und fleißiger Mensch und ist aus einem Hubschrauber geworfen worden. Möge Allah diese Grausamkeit nicht verzeihen. Er hat uns alle als Menschen erschaffen, aber es gibt Menschen, die uns in unseren Dörfern einfach ermorden.“

Hintergrund

Servet Turgut ist am 11. September zusammen mit Osman Şiban zwischen Wan und Şirnex während der Feldarbeit von türkischen Soldaten festgenommen und in einen Militärhubschrauber verfrachtet worden. Zwei Tage lang wusste niemand, wohin die beiden Männer gebracht wurden, Auskunftsverlangen von Angehörigen bei den zuständigen Behörden verliefen im Sande. Erst im Nachhinein stellte sich heraus, dass beide Männer auf der Intensivstation des Lehr- und Forschungskrankenhauses von Wan gebracht worden waren.

Laut Augenzeugenberichten wurden sie aus dem Militärhubschrauber gestoßen. Arztberichte bestätigen einen Sturz aus der Höhe. Behauptungen der Behörden, Şiban und Turgut seien bei einem Fluchtversuch in einer felsigen Gegend gestürzt, wurden als Schutzbehauptungen entlarvt, da es auf dem Feld, auf dem die beiden arbeiteten, gar keine Felsen gibt.

Osman Şiban leidet unter einer Amnesie und kann keine Aussage zu dem Geschehen machen.

„Die türkische Polizei hat eine Trauerversammlung für Servet Turgut in Wan überfallen und den Anwesenden mit Festnahmen gedroht. Der kurdische Dorfbewohner ist gestern verstorben, nachdem er aus einem Militärhubschrauber geworfen wurde. „

Polizei überfällt Trauerversammlung für Servet Turgut

Nach dem Tod von Servet Turgut haben die Angehörigen sich heute in Wan versammelt, um Beileidsbekundungen entgegen zu nehmen. Der 55-jährige Vater von sieben Kindern ist am Mittwoch an den Folgen seiner Folter im Krankenhaus verstorben. Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass er während einer Militäroperation in seinem Dorf festgenommen und aus einem Hubschrauber gestoßen wurde. Sein Leichnam wurde gestern beigesetzt.

An der heutigen Trauerversammlung nahmen auch die kurdischen Politiker*innen Berdan Öztürk (KCD), Saliha Aydeniz (DBP) und Hüda Kaya (HDP) teil. Als die HDP-Abgeordnete Hüda Kaya den Angehörigen des Verstorbenen in einer Rede ihr Mitgefühl aussprechen wollte, intervenierte die Polizei und verbot alle Ansprachen. Anwesende Journalist*innen wurden daran gehindert, das Geschehen zu filmen. Die Polizei drohte mit Festnahmen. Daraufhin kam es zu einer verbalen Auseinandersetzung, in der Saliha Aydeniz erklärte: „Wenn Sie Respekt vor Menschen hätten, würden Sie nicht auf diese Weise eine Trauerfeier stören. Wer Gebete respektiert, kann hier nicht bewaffnet auflaufen.“

Die Polizei forderte den Abbruch der Beileidsbezeugungen, was von den HDP-Mitgliedern abgelehnt wurde.

ANF

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