11.6 C
Hamburg
Freitag, Oktober 30, 2020
Start Home „Beim Krimi hat man meistens auch Täterwissen, man lernt mehrere Perspektiven kennen...

„Beim Krimi hat man meistens auch Täterwissen, man lernt mehrere Perspektiven kennen oder bekommt auch Infos, die die Ermittler vielleicht nicht haben.“

Interview mit Krimiautorin Greta R. Kuhn

ALMANYALILAR- Wir hatten uns als “ALMANYALILAR” vorgenommen auch die Autorinnen und Autoren zur Sprache zu bringen. Heute ist Krimiautorin Greta R. Kuhn dran:

Sie haben ja mit dem Schreiben schon sehr früh angefangen. Warum und wie kamen sie dazu? Also damit meine ich, wie hat das Ganze angefangen, warum haben Sie sich für das Schreiben entschieden?

Solange ich denken kann, haben mich Bücher und Geschichten begleitet. Das klingt immer so pathetisch, aber ich habe mir schon als Kind gerne eigene Lebenswelten und Geschichten ausgedacht und mich stundenlang darin bewegt. Als ich dann Schreiben konnte, habe ich begonnen, diese festzuhalten. Vieles davon ist über die Jahre verloren gegangen, aber ich habe letztens noch eine spannende Pferde-Detektivgeschichte gefunden, die ich geschrieben habe, als ich ungefähr acht war. Da waren die Inhalte noch sehr interessensgesteuert. Bis heute ist das Schreiben für mich die Möglichkeit, Momentaufnahmen von meiner Fantasie zu machen und Emotionen zu verarbeiten. Mit geschriebenen Worten kann man vieles besser ausdrücken und vor allem eigene Ideen festhalten und anderen zugänglich machen. Ohne diese Ausdrucksform würde mir etwas Großes im Leben fehlen.

Wie sind Sie zum Schreiben von Krimis gekommen? Warum haben Sie sich vor allem für Krimis entschieden? Sie hätten sich ja auch für Liebesromane oder Biographien oder ähnliches entscheiden können, warum Krimis?

In meinen Krimis spiele ich gerne mit den psychologischen Abgründen des Menschen, mit Urängsten und Worst-Case-Szenarios. Ich finde es spannend aufzudecken, welche Beweggründe hinter den brutalsten Taten stecken können, welche Lebensgeschichten Täter haben und wie es Ermittlern gelingt, Zusammenhänge und versteckte Hinweise hinter den Taten zu entdecken. Deswegen habe ich für mich einen Multiperspektiven-Ansatz beim Schreiben gewählt, damit die Leser*innen einen Einblick in alle Figuren zu bekommen und den Fall aus mehreren Blickwinkeln mitzuerleben. Dass ich mit meiner aktuellen Krimiserie rund um die Hauptkommissarin Veronika Hart begonnen habe, war eigentlich eher Zufall. Auslöser war eine Reportage im Fernsehen und eine Mähmaschine, der wir bei einem Hundespaziergang begegnet sind. Herauskam der perfekte Mord, zumindest was die Entsorgung einer potenziellen Leiche angeht. Und dann bin ich in die Geschichte, die ich drum herum gestrickt habe, reingestürzt. Eine Idee kam zur nächsten und am Ende war „Saarperlen“ ein fertiger Kriminalroman, der gleich im ersten Anlauf einen Verlag gefunden hat. Besser hätte es nicht laufen können. Thriller und Krimis gehören auch zu den Genres, die ich privat lese – vielleicht ist das auch der Grund, warum ich beim Anblick der Mähmaschine nicht an einen romantischen Ausflug aufs Land gedacht habe und damit an einen Liebesroman.

Ihre Werke

Was ist in Ihren Augen der größte Unterschied zwischen Krimis und Detektivromanen? Gibt es zwischen beiden in der Tat große Unterschiede? Welchen würden Sie erst bevorzugen und warum?

Ich bin mir nicht sicher, ob es heute tatsächlich noch so eine große Unterscheidung zwischen den beiden Textsorten gibt. Der Detektivroman ist hauptsächlich auf die Figur des Ermittlers ausgerichtet, der Leser weiß in den meisten Fällen nicht viel mehr als der Detektiv selbst und begleitet ihn bei der Arbeit, wertet Indizien aus, befragt Zeugen und zieht die entsprechenden Schlüsse. Beim Krimi hat man meistens auch Täterwissen, man lernt mehrere Perspektiven kennen oder bekommt auch Infos, die die Ermittler vielleicht nicht haben. Auch ziehen hier mehrere Personen an einem Strang, zumindest wenn die moderne Polizeiarbeit wiedergegeben wird. Weil mich vor allem die Beweggründe und Motivationen interessieren, die ich nicht kenne, würde ich eher immer wieder für einen Kriminalroman entscheiden, was aber nicht gegen Detektivromane sprechen soll.

Sie lesen ja auch gerne. Sollten die AutorInnen tatsächlich viel lesen und warum? Was lesen Sie außerdem zur Zeit?

Ich lese wirklich sehr gerne und viel, seit ich die ersten Buchstaben entziffern kann. Allerdings ist das bei mir aktuell in Phasen untergliedert. Wenn ich selbst aktiv an einem Manuskript sitze, lese ich weniger bis gar nichts anderes, was natürlich dann auch am Zeitmangel liegt. Prinzipiell lese ich sonst gerne Thriller und Krimis, aber auch moderne Belletristik. Ich denke, viel lesen zahlt sich aus, wenn man seinen eigenen Stil verbessern will oder noch am Anfang seiner Autorenschaft steht. Man lernt ja nie aus. Aktuell arbeite ich intensiv am dritten Band meiner Krimireihe, deshalb bleibt wenig Zeit zum Lesen. Auf meinem Nachtisch liegen aber aktuell zwei Bücher zur Auswahl: „Achtsam morden“ von Karsten Dusse und „Marta schläft“ von Romy Hausmann. Mal sehen, wann ich damit starten kann.

Wie hat die Pandemie Sie und Ihre Schreibtätigkeiten betroffen? Was können Sie uns darüber erzählen? Wie geht eine Autorin wie Sie damit um?

Vor allem betroffen war ich vom Ausfall der bereits geplanten Lesungen und Auftritte auf den Buchmessen in Leipzig und Saarbrücken, die wegfielen oder dann online stattgefunden haben. Da ich in meinem Beruf von zu Hause arbeiten kann, hat sich mein Schreibrhythmus durch die Pandemie nicht groß verändert, ich musste eher durch die Geburt meiner Tochter im vergangenen Jahr meine Schreibgewohnheiten komplett umstellen. Spontane Ideen werden jetzt nicht mehr gleich aufgeschrieben, sondern kurz auf einen Zettel oder im Handy notiert und dann in Ruhe aufbereitet, wenn es die Müdigkeit und die Schlafzeiten der Kleinen zulassen. Zu Beginn der Pandemie gab es aber schon eine Zeit, in der ich gar nicht geschrieben habe, da man eher ungläubig auf die Zahlen geschaut hat und versucht hat, das Ausmaß und die Auswirkungen für uns zu erfassen. Da meine Tochter damals noch sehr klein war und man noch nicht viel wusste, hat mich das schon sehr gestresst – so dass nicht sehr viel Freiraum für neue Ideen blieb. Während des Lockdowns hat sich das aber wieder beruhigt. Das Gute am Autorenleben ist aus meiner Sicht, dass man solche Emotionen in seine Bücher mit einfließen lassen – oder in kurzen Geschichten Ausdruck verleihen kann. Das hilft mir oft, das Erlebte zu verarbeiten.

Danke sehr.

26.09.2020

Süleyman Deveci

Anzeigen

-Advertisment -

Most Popular

Deutsche Kreditwirtschaft sieht noch Nachbesserungsbedarf beim Risikoreduzierungsgesetz

Die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) weist mit Blick auf die heute stattfindende Anhörung zum Risikoreduzierungsgesetz im Finanzausschuss des Deutschen Bundestages darauf hin, dass trotz der...

Endonezya’da yasalaşan istihdam paketine karşı gösteriler sürüyor

Endonezya'nın Bendung kentinde işçilerden ve üniversite öğrencilerinden oluşan yüzlerce protestocu, yasalaşan yeni istihdam düzenlemelerine karşı gösteri düzenledi.

Bundesumweltministerin zeichnet beste Energiescouts des Jahres aus

Svenja Schulze zeichnet beste Energiescouts des Jahres aus Fast 10.000 Energiescouts sorgen für Effizienz und Klimaschutz in Betrieben in Südosteuropa und in Deutschland Sie schaffen Styropor-Verpackungen...

Basketbol: FIBA Şampiyonlar Ligi

Darüşşafaka Tekfen: 79 - Filou Oostende: 74 Salon: Darüşşafaka Ayhan Şahenk Hakemler: Marius Ciulin (Romanya), Igor Mitrovski (Kuzey Makedonya), Zdravko Rutesic (Karadağ) Darüşşafaka Tekfen: Gillon 1, Berk...