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“ Der Kunde ist bei uns immer noch der König”

Interview mit einem Apotheker

ALMANYALILAR – Warum, wieso, weshalb und vor allem wie wird man ein Apotheker? Genau das wollten wir wissen. Bei unserer Recherche begegneten wir İlker İşkin aus Hamburg, ein außergewöhnlicher Mensch und erfolgreicher Apotheker. Seit 2006 ist er in diesem Beruf. Über diesen Kaufmann und seine Apotheke wurde uns folgendes erzählt:

Almanyalılar: Warum wurden Sie Apotheker? Gab es keine andere Berufswahl, wollten Sie unbedingt Apotheker werden? Und wie hat das alles angefangen?

İlker İşkin: Schon mit 15 Jahren war ich Lieferbote. Ich arbeitete in der Woche 2-3 Tage nach der Schule, damit ich mein Taschengeld aufbessern, gar Geld verdienen konnte. Ich war immer mit meinem eigenen Fahrrad unterwegs, fleißig beförderte ich die Bestellungen unserer Kunden zu ihnen nach Hause.

Eines Tages hat ein Student, der im Laden arbeitete, aufgehört. Seine Arbeitsstelle wurde mir angeboten. Ohne zu zögern und lange darüber nachzudenken, nahm ich das Angebot an. Es waren zwar die gleichen Uhrzeiten, doch meine Aufgaben hatten sich geändert. Alles, vor allem aber unser Arbeitsumfeld und die Abläufe machten mir Spaß. Die gesammelten Erfahrungen machte diesen Beruf für mich mehr als attraktiv.

Ich habe natürlich nebenbei angefangen den Beruf zu recherchieren. Woher er ursprünglich kommt, das man Menschen damit helfen kann usw. Damals konnte ich das gesamte Umfeld nicht vorahnen. Aber ich habe den Beruf von Anfang an geliebt.

Nach meinem Abitur und Zivildienst fing ich an Pharmazie zu studieren. Es besteht aus vielen naturwissenschaftlichen Fächern. Es ist ein hartes Studium mit vielen Abbrechern! Ich war aber fest entschlossen bis zum Ende durchzuziehen. Ich wusste was ich wollte. Heute bin ich hier und bin glücklich einen solchen außergewöhnlichen und vielseitigen Beruf zu haben.

Was ist der wichtigste Punkt, das Besondere an diesem Beruf, Ihrer Meinung nach? Also was macht die Apotheke so wichtig und besonders?

Es ist die Empathie. Nach bestimmter Zeit wird die Arbeit routinemäßig immer das gleiche und alles wiederholt sich in einem Kreis. Gerade das macht wenn man nicht aufpasst, quasi blind. Ich bin seit 15 Jahren in diesem Beruf.

Ich bin ein Selbständiger, Arbeitgeber, Geschäftsmann und auch Familienvater. Nicht nur um Arzneimittel zu verkaufen bin ich Apotheker geworden. Natürlich, damit das ganze weiterhin funktionieren soll, um meinen Kosten aufzukommen, muss ich Geld verdienen. Aber unser Arbeit, das was wir mit Menschen hier austauschen, die Wärme, die Mitteilung ihrer Kummer, das Verständnis für Ihre Sorgen oder Missstände, das Vertrauen und vieles mehr, kehren irgendwann wieder zurück. Man kann es nicht mit dem klassischen Umgang von Kleinhändler und seinen Kundschaften vergleichen.

Wir bieten einen guten und qualitativen Service an. Der Kunde ist im Mittelpunkt. Daher sagen wir immer wieder, „der Kunde ist bei uns immer noch der König“. Ich möchte ein Beispiel geben; Menschen die woanders, egal aus welchen Gründen, immer schlecht behandelt, ignoriert oder unfreundlich empfangen werden, sehen und bedienen wir nicht nur als einen Kunden sondern als einen Menschen. Wer weiß was für eine Lebensgeschichte sie haben, worunter sie leiden mussten, was sie erlebt haben? Wer kann das wissen?

Also wird die Kundenzufriedenheit bei mir immer noch groß geschrieben, ich lege viel Wert auf menschliche Kommunikation und einen freundlichen Umgang miteinander. Wir sind wie ein harmonischer Chor. Alle Kolleginnen und Kollegen sind freundlich, hilfsbereit, sachlich und kompetent. Als Team sprechen wir alle nicht nur die gleiche Sprache, wir verhalten uns auch dementsprechend hilfsbereit. Außerdem lege ich persönlich viel wert auf Lob und Kritik. Wie Sie uns sehen, was Sie über uns denken, was für Beschwerden Sie haben, ob wir unsere Arbeit vollständig erledigen, was können wir noch besser machen – das und mehr darüber zu wissen, ist mir wichtig.

Wenn Sie kein Apotheker wären, welchen Beruf hätten sie gerne ausgeübt und warum?

Architektur hat mich auch immer interessiert. Ich liebe schöne Gebäude. Wie sie geschaffen werden, wie sie zustande kommen, hat mich immer interessiert. Aber die Innenarchitektur liegt mir viel näher. Zum Beispiel die ganze Innendekoration, die Zimmer einzurichten von unserem Haus, ist meine Arbeit gewesen. Außerdem mag ich auch gerne das Fotografieren. Schöne, interessante Momente zu erwischen und für ewig die Zeit, den Moment einzufrieren gefällt mir sehr. Ich habe bei solchen Tätigkeiten unendlich Spaß und große Freude. Ich hätte auch gerne eine Weltreise gemacht, ein Mal um die Welt segeln. Kreative Beschäftigungen in denen ich etwas neues hervorbringen kann, machen mich glücklich.

Gibt es irgendwelche interessante Erinnerungen aus ihrem Alltag, was witziges, trauriges oder erstaunliches?

Da sind so viele Erlebnisse, so viele Ereignisse…Zum Beispiel heute habe ich erfahren, dass einer meiner Lieblingskunden Krebs hat. Ich bin so traurig darüber. Vor paar Tagen starb einer meiner langjährigen Stammkunden.

Es gibt so viele Geschehnisse und Beispiele. Einige Landsleute zum Beispiel versuchen, wie es in der Heimat üblich ist, den festgesetzten Preis zu verhandeln. Ab uns zu haben wir sogar Prominente als Kunden. Oder ältere Menschen bringen ihre empfangenen Briefe, um sie von uns vorgelesen zu bekommen, als hätten sie niemanden. Ich kenne aber jene Familie, sie haben Kinder oder Enkelkinder. Wir machen aber mit. Es kamen auch Menschen mit Behinderung aus meinem Bekanntenkreis, die ich während meines Zivildienstes kennengelernt habe. Das reicht glaube ich.

Sie sind ja ein Apotheker in Deutschland. Haben Sie die Gelegenheit oder Möglichkeit gehabt ihren Beruf in der Türkei zu beobachten und zu vergleichen? Was für Ähnlichkeiten oder Unterschiede gibt es zwischen beiden Praktika?

Laut meinen Kenntnissen gibt es in der Türkei 30 Tausend Apotheker. Auch genau so viele Apotheken existieren. Also jeder Apotheker eröffnet eine Apotheke. In Deutschland sind die Zahlen anders. Es gibt 18 900 Apotheken. Aber 125 Tausend Apotheker, die Pharmazie studiert haben. Was mir in der Türkei aufgefallen ist, ist dass fast jeder Absolvent seinen eigenen Apothekenladen hat, egal ob sie allein den Laden betreiben oder Mitarbeiter haben.

Außerdem ist das System finde ich ziemlich streng. Zum Beispiel können Sie wenn Sie ihr Rezept in einer Stadt abgelöst haben, in einer anderen Stadt dieses Medikament nicht wieder haben. Auffällig ist, dass sie alle so fleißig sind. Medikamentenpreise sind in der Türkei in der Tat sehr billig im Vergleich zu hier.

Wissen Sie warum die Apotheker weiße Kittel anziehen? Was unterscheidet die Apotheker von Ärzten oder Krankenschwestern?

Um gewisse Einheitlichkeit des Teams widerzuspiegeln. Weil weiß die Hygiene symbolisiert. Wenn ich aus dem Labor komme, bemerkt man die Fremdkörper und den Dreck sofort. Ich glaube aus diesen Gründen tragen wir unsere Kittel in weißer Farbe.

Danke sehr.

18.09.2020

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