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Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli 2020: Findet die fehlenden Millionen!

Am heutigen 28. Juli findet der Welt-Hepatitis-Tag statt. Global wird der Tag von der World Hepatitis Alliance (WHA) ausgerichtet, in Deutschland ist die Deutsche Leberhilfe e.V. Ausrichter des Welt-Hepatitis-Tages.

Im Rahmen der dreijährigen Aufklärungskampagne der World Hepatitis Alliance lautet das Motto des Welt-Hepatitis-Tages auch in diesem Jahr „Hepatitis: Findet die fehlenden Millionen!“

Nach WHO-Schätzungen sind weltweit insgesamt 328 Millionen Menschen von einer chronischen Hepatitis B oder C betroffen. Die chronische Hepatitis-B-Infektion betrifft 257 Millionen Menschen und die Hepatitis-C-Infektion 71 Millionen. Drei Millionen tragen sogar beide Viren in sich. Und: 290 Millionen dieser Betroffenen ahnen nichts von ihren Infektionen.

In Deutschland ist aufgrund epidemiologischer Daten davon auszugehen, dass Hunderttausende mit Hepatitis B oder C infiziert sind. Ein Großteil der Betroffenen weiß auch hierzulande nichts von der Infektion. Es gibt unterschiedliche Schätzungen, wie hoch der Anteil der Hepatitis-B- und -C-Infektionen in Deutschland ist. Eine Querschnittsstudie des Robert-Koch-Instituts fand im Jahr 2012 bei 0,3% der Teilnehmer Antikörper gegen Hepatitis C und bei einer ebenso hohen Zahl ein positives Hepatitis-B-Antigen; allerdings weist auch das Robert-Koch-Institut darauf hin, dass der Anteil in der Gesamt­bevölkerung höher sein könnte, da in der genannten Studie nur wenig Menschen aus Risikogruppen eingeschlossen waren.

Warum ahnen viele Betroffene nichts von ihrer Infektion?

Mitunter ist ein positiver Hepatitis-Test nur ein Zufallsbefund, z.B. wenn Menschen Blut spenden möchten und routinemäßig auf diese Erreger getestet werden. Betroffene fallen dann oft aus allen Wolken, wenn sie von ihrer Diagnose erfahren: „Wie kann das sein? Ich war doch nie gelb!“ Anders als viele denken, macht sich eine Hepatitisinfektion oft nicht bemerkbar. Bei einer frischen („akuten“) Infektion können zwar mitunter Symptome wie eine Gelbsucht, Müdigkeit oder Übelkeit auftreten. Doch die meisten Infektionen bleiben – sowohl anfangs als auch im späteren Verlauf – lange unauffällig und stumm.

Risiko bei chronischer Hepatitis B und C

Eine akute (also frische) Infektion mit Hepatitis B oder C kann bei einem Teil der Betroffenen noch im ersten halben Jahr von selbst ausheilen. Ein Teil dieser Infektionen verläuft jedoch chronisch.

Hepatitis B kann bei Erwachsenen in bis zu 5% der Fälle chronisch werden. Bei immungeschwächten Menschen ist das Risiko einer chronischen Hepatitis-B-Infektion erhöht, bei Säuglingen und Kleinkindern sogar bis zu 90%. Eine Hepatitis C verläuft in 50 bis 90% der Fälle chronisch.

Das Tückische: Auch chronische Infektionen machen sich oft lange nicht mit Symptomen bemerkbar. Wenn Symptome auftreten, sind diese oft unspezifisch wie z.B. Müdigkeit, Konzentrationsstörungen oder Gelenkschmerzen. Dennoch kann die Leber durch chronische Entzündungen schleichend weiter geschädigt werden. Das Lebergewebe kann vernarben und eine Leberzirrhose entstehen. Diese ist ein ernster Befund und kann zu lebensgefährlichen Komplikationen führen: Hierzu gehören Leberzellkrebs, Wasserbauch, Gehirnstörungen, innere Blutungen und multiples Organversagen. Viele Menschen merken erst im Endstadium ihrer Erkrankung, dass mit ihrer Leber etwas nicht stimmt.

Was tun?

Infektionen und Spätfolgen ließen sich oft verhindern. Gegen Hepatitis B gibt es eine

Schutzimpfung und eine Hepatitis-C-Infektion lässt sich durch Vermeiden von Blutkontakten verhindern. Doch auch wenn Menschen bereits chronisch infiziert sind, gibt es wirksame Therapien: Beides kann die Leber vor Schäden bewahren und zudem das Ansteckungsrisiko für andere Menschen senken.

Es gibt effektive Behandlungen

Eine chronische Hepatitis-B-Infektion ist durch heutige Therapien oft effektiv kontrollierbar, obwohl sie sich nicht ganz eliminieren lässt. Heilende Hepatitis-B-Therapien zu finden ist ein Ziel der Forschung. Noch in diesem Jahr könnte erstmals auch eine antivirale Therapie gegen das Hepatitis-D-Virus verfügbar werden. Hepatitis D ist bisher sehr schwer behandelbar. Das Hepatitis-D-Virus kann nur zusammen mit Hepatitis B auftreten, verschlimmert aber dann die Infektion und führt oft schneller zur Leberzirrhose als Hepatitis B allein.

Bei Hepatitis C ist man schon deutlich weiter: Die Infektion ist durch heute verfügbare Therapien fast immer heilbar. Etwa 95% der behandelten Hepatitis-C-Patienten sind schon nach dem ersten Therapieversuch endgültig virusfrei. Für die wenigen Patienten, die noch eine zweite Therapie benötigen, sind die Chancen wieder ähnlich hoch. Das Phänomen der Heilbarkeit ist dabei nicht neu. Erste Heilungen der Hepatitis C gab es schon mit Interferontherapien seit den frühen 1990er-Jahren. Diese Heilungserfolge waren jedoch seltener als heute und Interferon-Behandlungen hatten viele Nebenwirkungen. Zwischen 2014 und 2017 wurden mehrere Tablettentherapien zugelassen, die deutlich besser wirksam und verträglich sind.

Ziel der WHO: „Elimination“ bzw. Eindämmung der Hepatitis B und C bis 2030

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat bereits 2016 das Ziel ausgerufen, Hepatitis B und C weltweit bis zum Jahr 2030 einzudämmen: durch Schutzimpfungen gegen Hepatitis B, Screening auf vorhandene Infektionen und geeignete Therapien. Die WHO benutzt hierfür sogar den Begriff „Elimination“: Gemeint ist damit, dass beide Viren als globale Gesundheitsbedrohung ausgeschaltet werden sollen. Dass die Infektionen bis 2030 spurlos vom Planeten verschwinden könnten, ist dabei nicht das Ziel, zumal chronische Hepatitis B noch nicht heilbar ist.

Das WHO-Ziel der Hepatitis-B- und -C-Eindämmung wurde allgemein begrüßt: 2016 haben sich die Regierungen aller Länder verpflichtet, dieses mitzutragen. Auch Deutschland hat hierzu eine eigene Strategie vorgelegt: Die BIS2030-Strategie, welche nicht nur Hepatitis B und C, sondern auch HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen bis zum Jahr 2030 eindämmen soll.

Derzeit ist es jedoch in Deutschland und vielen anderen Ländern nicht sicher, ob man das Eliminationsziel bis 2030 erreichen kann. Die aktuelle Coronakrise hat vielerorts zusätzlich dazu geführt, dass weniger Hepatitis-Tests durchgeführt und Behandlungen verzögert wurden.

Deutschland: Guter Behandlungszugang, unbefriedigendes Screening

In Deutschland ist der Zugang zur Therapie gut, wenn man einmal diagnostiziert ist. Doch für frühzeitige Diagnosen wird hierzulande immer noch relativ wenig getan.

Die offiziellen Hepatitis-C-Leitlinien werden derzeit aktualisiert. Eine wichtige Neuerung: Wenn jemand erstmals mit Hepatitis C diagnostiziert wird, kann eine Therapie grundsätzlich sofort gestartet werden. Eine halbjährige Wartezeit, wie sie derzeit von einigen Krankenkassen vorgegeben ist, wird nicht empfohlen. Einige Krankenkassen hatten diese Vorgabe eingeführt, da eine Hepatitis-C-Infektion erst nach einem halben Jahr chronisch ist und die Medikamente laut Beipackzettel nur für „chronische Hepatitis C“ zugelassen sind. In der Realität sind jedoch die meisten Patienten schon seit Jahren chronisch infiziert, wenn sie erstmals ihre Diagnose erhalten. Der Therapiezugang wird durch die künftigen Leitlinien also weiter verbessert.

Bislang ist ein Screening auf Hepatitis B und C nur bei Risikogruppen in Deutschland offiziell empfohlen. Hepatitis B kann durch Blut und andere Körperflüssigkeiten übertragen werden. Bei Hepatitis C erfolgt die Infektion in der Regel durch Blut-zu-Blut-Kontakte. Seit langem wird daher das Screening von Risikogruppen empfohlen, wie z.B. Partner und Kinder von Infizierten, Menschen mit Drogengebrauch und/oder häufig wechselnden Sexualpartnern, homosexuelle Männer, Empfänger von Blutprodukten vor 1991 (Hepatitis C), Menschen aus Ländern mit hoher Hepatitis-B- oder -C-Verbreitung sowie allgemein Patienten mit unklar erhöhten Leberwerten. Ein großer Teil der Hepatitis-B- und -C-Infizierten weiß jedoch nicht genau, wo sie sich angesteckt haben könnten. Diese Menschen werden von den aktuellen Empfehlungen nicht erfasst. Wer nicht zu einer offiziellen Risikogruppe gehört, muss einen Test auf Hepatitis B oder C oft aus eigener Tasche bezahlen.

In den USA empfiehlt die Gesundheitsbehörde CDC, allen Bürgern über 18 Jahren einmal im Leben einen Hepatitis-C-Test anzubieten. Nur in Umfeldern, wo die Hepatitis-C-Verbreitung weniger als 0,1% betrage, sei dies nicht nötig. Allerdings ist der Therapiezugang in den USA schlechter als in Deutschland, da breite Teile der US-Bevölkerung nicht bzw. nicht ausreichend krankenversichert sind.

Von einem solch breit empfohlenen Screening ist man in Deutschland noch weit entfernt. Diskutiert wird, ob man Menschen ab 35 Jahren künftig einen Test auf Hepatitis B und C im Rahmen der allgemein empfohlenen Gesundheitsvorsorge-Untersuchung anbieten kann. Die Entscheidung hierzu ist noch in diesem Jahr zu erwarten und wäre ein deutlicher Fortschritt. Noch besser wäre natürlich, wenn ein kostenfreier Test auf Hepatitis B und C allen Erwachsenen schon ab dem 18. Lebensjahr zumindest einmal angeboten würde. Hierdurch könnte ein Großteil der bislang unerkannten Hepatitis-B- und -C-Infektionen rechtzeitig entdeckt und behandelt werden, bevor Leberschäden entstehen. Auch das Ansteckungsrisiko für andere könnte reduziert werden. Zudem könnte ein breit empfohlenes Screening Vorurteile abbauen, dass Hepatitis B und C angeblich nur ein Problem von Risikogruppen seien: Denn Hepatitis B und C können jeden treffen, unabhängig von Herkunft und Lebensstil.

Aufruf der World Hepatitis Alliance an alle Regierungen: Handeln ist notwendig

Zum diesjährigen Welt-Hepatitis-Tag will die World Hepatitis Alliance einen offenen Brief an die Regierungen aller Länder schicken, den Sie online mit Ihrer Unterschrift unterstützen können. Der Brief soll die Regierungen weltweit – und auch in Deutschland – an ihr Versprechen erinnern, Hepatitis B und C bis zum Jahr 2030 einzudämmen.

Welt-Hepatitis-Tag

Am 28. Juli 2020 ist Welt-Hepatitis-Tag unter dem Motto: „Hepatitis: Findet die fehlenden Millionen!“ Im Hauptfokus des Aktionstages stehen die chronische Hepatitis B und C, welche nach WHO-Schätzungen insgesamt 328 Millionen Menschen betreffen. Schätzungsweise 290 Millionen dieser Betroffenen ahnen nichts von ihren Infektionen, die lange stumm verlaufen und unbehandelt zu tödlichen Spätfolgen wie Zirrhose und Leberzellkrebs führen können. Für beide Infektionen gibt es jedoch wirksame Behandlungsmöglichkeiten: Hepatitis B ist kontrollierbar und Hepatitis C ist sogar heilbar. Umso wichtiger ist es, die unbekannt Infizierten rechtzeitig zu finden. Informationen zum Welt-Hepatitis-Tag finden Sie auf www.welthepatitistag.info und in englischer Sprache auf www.worldhepatitisday.org.

 Wer ist die Deutsche Leberhilfe e.V.?

Die Deutsche Leberhilfe e.V. wurde 1987 von engagierten Patienten gegründet. Der gemeinnützige Verein ist bundesweit tätig und hat sich als Informationsschnittstelle zwischen Ärzten und Leberpatienten etabliert. Die Leberhilfe verfolgt als Hauptziel, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, indem sie Patienten und ihre Angehörigen berät und Informationsschriften in verständlicher Sprache herausgibt. Ein weiteres Ziel des Vereins ist, die Bevölkerung über mögliche Ursachen, Verlauf, Therapie und Verhütung von Leberkrankheiten zu informieren. Langfristig soll dies dazu beitragen, Vorurteile zu entkräften und den schlechten Ruf der Lebererkrankungen als „selbstverschuldete” Krankheiten zu verbessern. In diesem Rahmen ist die Leberhilfe in Deutschland Ausrichter des Welt-Hepatitis-Tages. Der Verein wird von einem ehrenamtlich tätigen Vorstand geleitet und hat in Köln seine Geschäftsstelle, die mit erfahrenen Mitarbeitern besetzt ist. Bei medizinischen Fragen wird die

Leberhilfe von einem wissenschaftlichen Beirat unterstützt. Dieser besteht aus namhaften Fachärzten und Wissenschaftlern, die die Richtigkeit, Aktualität und Seriosität der medizinischen Informationen gewährleisten.

(Deutsche Leberhilfe e.V. / 28.07.2020)

Foto: welthepatitistag.de

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