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Freitag, Mai 14, 2021
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Rechtsanwältin Ebru Timtik seit 150 Tagen im Todesfasten

Die Rechtsanwältin Ebru Timtik hungert in einem türkischen Gefängnis, um ein faires Gerichtsverfahren durchzusetzen. Ihre Kollegin Seda Şaraldı hat sie im Vollzugskomplex Silivri besucht und schildert ihre Eindrücke.

 

Die Rechtsanwältin Ebru Timtik und ihr Kollege Aytaç Ünsal, beide vom Istanbuler Rechtsbüro des Volkes (Halkın Hukuk Bürosu, HHB), sind nach 150 bzw. 119 Tagen im Todesfasten in türkischer Haft in einem sehr kritischen Zustand. Beide wurden aufgrund von widersprüchlichen Aussagen eines Kronzeugen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Aussagen des Überläufers Berk Ercan haben bisher zur Verhaftung von knapp 200 Menschen geführt. Unter ihnen war auch Mustafa Koçak, der zu lebenslanger Haft verurteilt worden war und am 24. April nach 297 Tagen Hungerstreik verstarb. Sie alle wurden im Komplex der Verfahren gegen vermeintliche Angehörige der DHKP-C nach Terrorparagraphen verurteilt.

Rechtsanwältin Seda Şaraldı hat ihre Kollegin Ebru Timtik am Freitag im Hochsicherheitsgefängnis Silivri in der Nähe von Istanbul besucht und gegenüber ANF ihre Eindrücke geschildert. Demnach hat Timtik zuletzt 46 Kilo gewogen. Wieviel Gewicht sie seitdem verloren hat, ist unbekannt, da keine weitere Messung stattgefunden hat. Sie leidet unter Wunden im Mund und Schmerzen im Rücken-, Nacken- und Kopfbereich. Laut Seda Şaraldı machte sie trotzdem einen guten und widerständigen Eindruck: „Sie betonte, dass sie und ihr Kollege sich für Gerechtigkeit im Todesfasten befinden. In dem Verfahren sind viele Menschen angeklagt, aber die Anwälte waren die ersten, die verurteilt wurden. Ebru Timtik sagt, dass es sich um einen Angriff auf die Verteidigung handelt. In diesem Zusammenhang fordern sie nicht nur ein faires Verfahren, sondern leisten auch Widerstand gegen den Angriff auf ihren Berufsstand. Ebru macht weiter Zukunftspläne. Sie beschäftigt sich mit den individuellen Anträgen an das Verfassungsgericht wegen der Rechtsverletzungen im Prozess. Auch im Gefängnis setzt sie ihre Tätigkeit als Juristin und Verteidigerin der Rechte fort.“

Rechtsanwältin Seda Şaraldı hat auch ihre Kolleginnen Barkın Timtik und Oya Aslan, die im gleichen Verfahren inhaftiert und am 10. Mai in einen Unterstützungshungerstreik getreten sind, im Gefängnis besucht. Barkın und Ebru Timtik sind Schwestern und in derselben Zelle untergebracht.

Nach Ansicht von Seda Şaraldı sind die Forderungen des Todesfastens erfüllbar. Im Verweis auf den sich verschlechternden Gesundheitszustand von Ebru Timtik ruft sie zur Solidarität mit den Todesfastenden auf. „Ungerechtigkeit ist in diesem Land zu einem allgemeinen Problem geworden. Solange dazu geschwiegen wird, kommen immer neue Ungerechtigkeiten hinzu“, so die Rechtsanwältin.

ANF

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