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Freitag, Mai 14, 2021
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Wie gehen die Hamburger Autoren und Dichter mit der Pandemie um

ALMANYALILAR – Es gibt keinen Bereich in unserem Alltag, der von diesem furchterregenden Virus nicht betroffen wurde. Weltweit werden neue Warnungen, Maßnahmen, Empfehlungen, Gesetze etc. ins Leben gerufen. Neben gesundheitlichen Sorgen sind auch wirtschaftliche Probleme und Sorgen an der Tagesordnung. Fast alle wirtschaftlichen Branchen sind ebenfalls davon betroffen. Genauso die Kulturschaffenden, nämlich Künstler jeglicher Art. Von Schauspieler bis Sänger, vom Filmemacher zum Seiltänzer. Was ist aber mit den Schriftstellern, Dichtern und Autoren? Was tun sie in diesen dunklen Zeiten, wie gehen sie mit der Pandemie um, was für Sorgen haben sie, wie sind sie von den Maßnahmen betroffen? Das haben wir für unsere Leser die Vorsitzende der Hamburger Autorenvereinigung Sabine Witt gefragt:

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Soweit wir wissen, haben sie alle geplanten Veranstaltungen und Aktivitäten bis auf weiteres verschoben. Was für Reaktionen von ihren Mitgliedsautoren kassiert? Wie waren die Erstreaktionen wegen diesen Absagen?

Es gab nur positive und verständnisvolle Reaktionen. Und traurige, natürlich. Viele fragten, wann es denn weiterginge. Das kann ich natürlich nicht wissen. Und habe das auch so kommuniziert. Irgendwann auch mit Bemerkungen wie, dass sich mein Kristallkugel grad etwas eingetrübt hat.

Haben sie vor, mit den Autoren und Dichtern in diesen schlechten und schwierigen Zeiten unter diesen miesen Umständen etwas Gemeinsames ins Leben zu rufen, was Menschen Mut und Hoffnung gibt und ihre Lebensfreude verstärkt? Warum?

Wir haben – mit großer und sehr positiver Resonanz- die Aktion „Literatur lebendig halten“ ins Leben gerufen. Unsere Mitglieder können uns Texte schicken, die wir auf unserer Website veröffentlichen. Ich denke, es ist wichtig, gerade jetzt, in dieser veranstaltungslosen Zeit, den Kontakt zu unseren Mitgliedern zu bewahren.

Außerdem planen wir eine Anthologie mit dem Titel „Bleiben Sie gesund!“.

Wie gehen Sie persönlich mit dem Virus um, wie sieht Ihr Alltag aus? Soweit Sie es wissen, wie gehen andere Autorenkollegen damit um? Was für Rückmeldungen haben Sie bis jetzt bekommen?

Meine gesamten Kurse fallen aus, auch alle Veranstaltungen der Hamburger Autorenvereinigung. Ich habe also viel mehr Zeit für eigene Dinge. Lesen, schreiben, etc. Finanziell geht es zum Glück einigermaßen, da ich – Gott oder wem auch immer sei Dank, seit einem Jahr halbtags in der AWO angestellt bin.

Viele meiner Kolleginnen und Kollegen sind zu Online-Lesungen und Online-Kursen übergegangen. Es wird auch mehr telefoniert, gemailt, gepostet (z.b. Auf Facebook) und gewhatsAppt.

Sie sind ja Italien-Fan und haben ein großes Herz für dieses Land und deren Kunst und Literatur. Was würden Sie über die traurige Betroffenheit von Italien sagen?

Italien erlebt die Apokalypse. Meine Freunde in der Toskana, darunter ein ehemaliger Kultursenator, behalten noch die Nerven, trotz der furchtbaren Situation und der nun schon lange währenden Quarantäne. Aber jene im Süden sind verzweifelt, hysterisch, haben Angst. Das Gesundheitssystem dort ist katastrophal. Ich hoffe, dass sich das Land irgendwann von dieser Katastrophe erholen wird. Im Norden bricht ja furchtbarerweise fast eine ganze Generation weg. Was mich aber auch betroffen macht, ist ein mehr und mehr werdender Hass gegen Deutschland – wir sind plötzlich an allem Schuld, besonders Frau Bundeskanzlerin Merkel, und alte Feindbilder brechen wieder auf.

Was können Sie abschließend allen Menschen, darunter auch Autoren unter diesen Umständen empfehlen oder sagen?

Ruhe bewahren und unserem Staat vertrauen. Es ist für uns alle gesorgt. Und die allermeisten von uns haben ein heiles Dach über dem Kopf, sauberes Wasser aus der Leitung, genug zu essen und wohl auch, Scherz, genug Klopapier. Was gibt es da zu lamentieren, wenn es jetzt gilt, eine Weile zu Hause zu bleiben? Unsere Großväter schickte man in den Krieg, uns nur aufs Sofa. Das ist wohl das geringste Problem und absolut notwendig.

Wir danken Ihnen und wünschen alles Gute.

01.04.2020

 

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