7.5 C
Hamburg
Samstag, September 26, 2020
Start Home Türkei verhaftet Journalisten wegen zwei getöteten Geheimdienstlern in Libyen

Türkei verhaftet Journalisten wegen zwei getöteten Geheimdienstlern in Libyen

ALMANYALILAR – Drei Journalisten von Oda TV wurden wegen einem Bericht über einen getöteten Geheimdienstmitarbeiter vor ein paar Tagen verhaftet. Laut Vorwürfen soll durch diese Berichterstattungen die Identität des türkischen Geheimdienstmitarbeiters veröffentlicht worden sein. Laut Geheimdienstgesetz kann das Veröffentlichen eines Mitarbeiters des türkischen Geheimdienstes MIT mit bis zu neun Jahren Gefängnis bestraft werden.

odatv

Barış Terkoğlu, Hülya Kılınç und Barış Pehlivan sind Journalisten vom regierungskritischen Nachrichtenportal Oda TV. Es handelt sich in deren Berichten um einen türkischen Geheimdienstler, der in Libyen während seinem Dienst getötet und jetzt beerdigt wurde. Die Website gab den Vornamen sowie den ersten Buchstaben des Nachnamens des Mannes an und berichtete, dass der mutmaßliche Agent im Westen des Landes begraben worden sei. Gleich fingen die Prügelattacken der regierungsnahen Strukturen an, dass die nationale Sicherheit des Landes und Staatsgeheimnisse durch diese Veröffentlichungen gefährdet wurden. Auch die Hofpresse zeigte mit ihrem Finger auf Oda TV bzw. diese Journalisten. Oda TV und die Journalisten wiesen den Vorwurf zurück, weil die Identität des genannten Agenten bereits zuvor von einem türkischen Oppositionspolitiker im türkischen Parlament bekannt gemacht worden sei. Barış Terkoğlu war 2011 mit seinem Kollegen Barış Pehlivan für 19 Monate in Haft gewesen, es ging damals wieder um einen Oda TV Fall, bei dem die Webseite wegen dem Vorwurf, Zusammenarbeit mit der FETÖ Organisation zu betreiben, geschlossen werden sollte.

Erdoğan erklärte am 22. Februar, dass sie in Libyen zwei Märtyrer hatten. Am 23. Februar berichtete die Internetzeitung TR 724, dass Oberst Okan Altınay durch die Bombardierung der libyschen Armee in einem Schiff, wo er seinen Dienst verrichtete, zu einem Märtyrer wurde und, dass sein Leichnam in die Türkei gebracht und in Aydın Tellidede Şehitliği in aller Ruhe beerdigt wurde. Altınay war nach dem Putsch am 15. Juli für einige Zeit vom Dienst suspendiert. Nach seiner Rehabilitation wurde er nach Libyen geschickt. Wieder am 23. Februar fragte ein CHP Sakarya Abgeordneter über seinen Twitter Account, ob Oberst Okay Altınay Pascha in den libyschen Wüsten ermordet und still schweigend beerdigt worden wäre. (Mit still schweigend beerdigen soll gemeint sein, dass keine staatliche zeremonielle Beerdigung stattfand.)

Am 24. Februar fragte die Tageszeitung Yeni Asya: Was versteckt die Regierung? Warum wurde der getötete Oberst, welcher in Aydın im Hafen von Mina Tarabulus (Tripolis) ermordet wurde in der Stille beerdigt? Der Abgeordnete der İYİ Parti Aydın Adnan Sezgin kritisierte in diesem Bericht die Regierung und den Umgang mit den getöteten Agenten sehr scharf. Dazu wünschte er sein Beileid für den gefallenen Agenten.

oasc
Am 26. Februar sprach der Abgeordnete Ümit Özdag von der oppositionellen İYİ Parti im türkischen Parlament und nannte zwei MİT Agenten namentlich als Okan Altınay, ein pensionierter Oberst, und Major Sinan Caferler. Der Politiker gab auch ausführliche Informationen darüber, wie diese Geheimdienstmitarbeiter getötet wurden. Außerdem bezeichnete der Journalist Saygı Öztürk, wie jeder türkische prominente Journalist, der zufälligerweise immer MIT sehr nahe ist, am 26. Februar in seiner Kolumne in der Tageszeitung Sözcü, den getötete Agenten als O.A. und erwähnte dazu seinen Personenschützer. Er klagte sogar darüber, dass eine still schweigsame Beerdigung von diesen Agenten und deren Namen nicht zu veröffentlichen nicht so einfach hinnehmbar wäre.

Die Türkei steht international wegen ihrer systematischen Einschränkung der Pressefreiheit in der Kritik. Das Land belegt derzeit den 157. Platz auf der Rangliste der internationalen Pressefreiheit der Organisation Reporter ohne Grenzen. Allein die Bilanz für Februar lautet: Festgenommene Journalist*innen: 12. Inhaftierte Journalist*innen: 1. Angriffe auf Journalist*innen: 3. Eröffnete Ermittlungsverfahren gegen Journalist*innen: 2. Eröffnete Gerichtsverfahren gegen Journalist*innen: 1. Urteile gegen Journalist*innen: 6 (fünf Personen wurden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt, eine Person erhielt eine Geldstrafe). Andauernde Verfahren gegen Journalist*innen: 15 Verfahren gegen 71 Journalist*innen. Blockierte Seiten: 1 (JinNews). Inhaftierte Journalist*innen 111.

08.03.2020

Vorheriger Artikel„Fehlende Staatsferne“
Nächster ArtikelDuyuru: Anma

Anzeigen

-Advertisment -

Most Popular

Bundesregierung beschließt Eckpunkte zum Schutz der Industrie

Die Bundesregierung hat Mittwoch die von der Bundesumweltministerin vorgelegten Eckpunkte zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Industrieunternehmen beschlossen. Im Rahmen des nationalen Brennstoffemissionshandels können künftig...

Futbol: UEFA Avrupa Ligi – Galatasaray: 2 – Hajduk Split: 0

Sarı-kırmızılı takım, play-off turuna yükseldi Stat: Türk Telekom Hakemler: Craig Pawson, Lee Betts, Ian Hussin (İngiltere) Galatasaray: Fatih Öztürk, Linnes, Donk, Marcao, Emre Taşdemir (Dk. 80 Elabdellaoui),...

„Etat 2021 soll Klima schützen und Wirtschaft stärken“

Bundeswirtschaftsmnisterium erhält mehr Mittel für Zukunftsinvestitionen, Klimatechnologie und Pandemievorsorge Das Bundeskabinett hat heute den Regierungsentwurf des Bundeshaushalts 2021 einschließlich des BMWi-Etats beschlossen. Dieser sieht...

Almanya’da askeri istihbarat başkanı görevden alındı

Almanya'da Askeri İstihbarat Teşkilatı Başkanı (MAD) Christof Gramm'ın, görevden alındığı bildirildi. Savunma Bakanlığından yapılan yazılı açıklamada 2015 yılından bu yana MAD Başkanı olan Gramm'ın görevinden...