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Samstag, September 26, 2020
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Hans Fallada: Wer einmal aus dem Blechnapf frisst

Es ist ziemlich Klischeehaft zuhören, dass wer einmal geklaut hat, immer wieder klauen wird. Der Sohn eines Diebes wird ebenfalls ein Dieb. Was das Elternhaus den Kindern gibt, spiegeln die Kinder mit positiven oder negativen Aspekten wieder. Aber was ist mit der Gesellschaft, spielt sie nicht irgendeine Rolle? Hat die Gemeinde, das soziale Umfeld kaum eine Verantwortung oder Verpflichtungen? Wo und mit wem beginnt die sogenannte berühmte gesellschaftliche Toleranz und Rücksicht? Der Meisterschreiber Hans Fallada hat über dieses Thema einen gelungenen Klassiker geschrieben, nämlich diesen Roman.

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Der ehemalige Buchhalter Willi Kufalt, der wegen Unterschlagung und schwerer Urkundenfälschung in der Haft sitzt, wird nach fünf Jahren Haftstrafe endlich entlassen. Der Roman beginnt mit seinen Vorbereitungen und seinem alltäglichen Leben im Gefängnis währenddessen. Er hat vor, ein neues Leben ganz von Vorne anzufangen. Er ist ein Einzelgänger, er hat weder Kinder noch Familie.

Nach seiner Entlassung kommt Willi nach Hamburg. Er fängt an, in einem Fürsorgeheim für ehemalige Häftlinge zu leben und wird dort für einen Hungerlohn als Adressenschreiber tätig. Die Heimleitung hat ihre eigenen Methoden und Wege um die ehemaligen Gefangenen in die Gesellschaft zu integrieren. Von nun an wird Willis neues Leben nicht so einfach wie es aussieht, denn die Verantwortlichen schikanieren ihn regelrecht. Er lässt eine ganze Menge über sich ergehen. Seine Versuche sich von dort zu retten, in dem er sich mit dem Adressenschreiben selbständig macht, scheitern. Einmal Häftling immer Häftling. Egal was er tut und macht, er kommt aus diesem Teufelskreis nicht raus.

Die Bezugspersonen machen ihm das Leben mehr als schwer. Im Grunde genommen wird Willi Kufalt als nichts mehr als ein neuer rehabilitierter Mensch anerkannt und seine Vorbestrafung wird ihm als Verhängnis vorgegaukelt. Er wird gezielt willkürlich unterdrückt, schikaniert und regelrecht gedemütigt. Willi hält zähneknirschend alles durch solange er es kann. Neue Arbeitsperspektiven, aus dem Heim auszuziehen, eine neue Wohnung und neuen Job zu finden, scheitern immer wieder wegen seiner Vorstrafe, die ihn überall hinfolgt und von einem gelungenen Beginn eines neuen Lebens hindert. Er kassiert reichliche Ablehnungen und Misstrauen seiner Gemeinde.

Nach einem neuen Umzug, seiner Liebe zu Hilde, ungerechte Beschuldigungen wegen eines Diebstahls und dank seines ehemaligen Mithäftlings Batzke, blieb Willi nichts mehr übrig als rückfällig zu werden. Das heißt er geriet somit erneut auf die schiefe Bahn, begeht eine Strafe und landet zurück im Gefängnis. Das Leben draußen ist nicht so leicht wie das drinnen in den bekannten bzw. geregelten vier Wänden, die ihm nun viel attraktiver vorkommen als sonst. Seine Schwierigkeiten mit der Freiheit draußen umzugehen werden im Gefängnis verschwinden.

Hans Falladas Roman „Wer einmal aus dem Blechnapf frisst“ bzw. seine Erzählung und  sein Erzählstil erinnerten mich oft an vielen Stellen an den türkischen Romancier Orhan Kemal, der zahlreiche gesellschaftskritische Romane geschrieben hatte, welche bis heute kaum ins Deutsche übersetzt wurden. Die gesellschaftskritischen Erzählungen, sozialkritischen Romane sind in der gängigen Literaturszene leider kaum zu begegnen. Allein das macht Hans Fallada zu einem bedeutungsvollen Schriftsteller, namenhaften Romancier der deutschsprachigen Literatur. Wie versaut und verloren die Gesellschaft ist, zeigen deren Romane und Erzählungen ganz genau, man kann eine ganze Menge Informationen darüber herausfinden.

(sd)

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