18.7 C
Hamburg
Donnerstag, September 24, 2020
Start Home Miriam Geimer: Glück stand nicht zur Debatte

Miriam Geimer: Glück stand nicht zur Debatte

Miriam Geimer: Glück stand nicht zur Debatte

Eltern-Kind Konflikte sind genauso alt wie die Menschheit. Nazim Hikmet, der berühmteste türkischer Dichter schrieb einmal: „Ich bin fortschrittlicher als meine Eltern, aber rückschrittlicher als meine Kinder“. Die Räder der Geschichte drehen sich ununterbrochen, bleiben nicht stehen und bewegen sich immer nach vorne. In diesem Sinne ist es im Roman vom Miriam Geimer nicht anders.

Im Roman „Glück stand nicht zur Debatte“ ist der Vater ein Pascha, konservativer Reaktionär und Jurist und hat seine eigene Anwaltskanzlei. Er unterdrückt seine Frau und auch seine Tochter und ist dabei nicht mal in der Lage zu sehen, was er seiner Familie antut. Tochter Felizitas, Jurastudentin, ist irgendwo bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung zurückgeblieben und versucht ziemlich unsicher gegen den seelischen Terror ihrer Eltern durchzustehen. Dabei steht ihre beste Freundin Sonia zur Seite. Die problematische Tochter möchte gerne Künstlerin, genau gesagt Malerin werden, wo ihr Vater natürlich streng gegen ist. Er hat vor, dass seine Tochter, wenn sie soweit ist, die Kanzlei übernimmt und weiterführt.

4

Der ganze Roman basiert darauf, dass Vater und Tochter nirgendwo zusammenkommen um eine Lösung für ihre Wünsche und Pläne zu finden. Ehrlich gesagt fragte ich mich während ich es gelesen habe, was es eigentlich für Menschen auf der Erde gibt, wie unterschiedlich ihre Sorgen und Probleme sind. Für einige kann so etwas ein Leben zerstören, für andere kann es lächerlich vorkommen. Denn es gibt viel wichtigeres als Papas Wunsch nachzugehen, oder nicht?

Felizitas hat auch einen Bruder, der Kilian heißt und Liebling der Familie ist. Zwischen beiden Geschwistern gibt es so große Unterschiede, dass sie quasi in verschiedenen Welten leben. Miriam Geimer konfrontiert uns mit den Auseinandersetzungen zwischen Vater und Tochter gleich beim Start. Über dreihundert Seiten lesen wir fast nur noch darüber. Trotz diesem veraltet aussehendem Thema gelingt es ihr den Leser zu fesseln und wirft dabei folgende Fragen auf: Wie wird es weitergehen? Was wird aus dem armen Kind? Wie wird sie gegen ihren Vater vorgehen? Kann sie allein auf ihren Beine stehen? Warum helfen ihr ihre Mutter oder ihr Bruder nicht dabei? Was für eine Rolle spielt ihre Freundin Sonia dabei, und ähnliche neugierige Fragen erlauben es einem nicht den Roman bei Seite zu legen. Geimer´s Erzählstil lässt sich lesen.

Zweifellos will und wird jeder Vater und auch Mutter sich das Beste für ihre Kinder wünschen. Dazu geben sie ihr Bestes, damit ihre Kinder eine gute Schulbildung, gutes Zeugnis, einen angesehen Beruf oder Studium, was dem Kind eine sichere Zukunft anbietet, dann eine erfolgreiche Kariere usw. haben. Es steht im ungeschriebenen Elternkodex, zumindest dafür zu kämpfen, um den Kindern ein besseres Leben anzubieten. Man darf nicht vergessen, dass uns auch die politischen Ansichten beeinflussen, wie wir unsere Kinder erziehen. Was aber öfter dabei schief geht und wir übersehen, ist ob die Kinder das Gleiche wollen, was wir für sie bestimmen. Autorin Miriam Geimer philosophiert weder darüber, noch klärt sie uns direkt auf. Stattdessen lässt sie durch Felizitas alles sagen, bzw. gibt sie uns durch sie und ihr Leben so viele Denkstöße, die uns automatisch über das Thema tiefgehend beschäftigen. Kinder wollen und müssen auch glücklich sein. Was nützt es den Eltern, wenn ihre Kinder alles haben, aber weder glücklich sind noch das Leben mit so vielen positiven Eigenschaften empfangen und erleben können?

Ob es in der heutigen Zeit so eine Familie und Kind noch in Deutschland gibt? Wenn es auch schwer zu glauben scheint, sicher leben unter uns so viele verschiedene Menschen, Ansichten, Familien und ihre Erziehungsmethoden. Ein fertiges Rezept um die Kinder glücklich zu machen, kenne ich nicht. Ich glaube als Eltern hat man auch nicht so viel Macht wie der Roman uns vorgaukeln will. Der beste Weg wäre es, die Kinder auf das Leben vorzubereiten, wegweisen, dabei nach bestimmtem Alter Weggefährte sein. Kinder haben eine andere, eigene Welt als ihre Eltern. Dem Roman gelingt es, dass wir uns als Leser über diese Problematik gründlich Gedanken machen.

21.08.2019

Anzeigen

-Advertisment -

Most Popular

Almanya, Belarus Cumhurbaşkanı Lukaşenko’nun meşruiyetini tanımıyor

Alman Hükümeti, Belarus Cumhurbaşkanı Aleksandr Lukaşenko'nun meşru bir devlet başkanı olmadığını bildirdi. Almanya Hükümet Sözcüsü Steffen Seibert, Federal Basın Merkezinde düzenlediği basın toplantısında, Lukaşenko'nun bugünkü...

Tarifeinigung für Postbeschäftigte bis zum 31.12.2022

Die Einigung sieht vor, dass die Löhne und Gehälter zum 1. Januar 2021 um 3,0 Prozent und am 1. Januar 2022 noch einmal um...

Almanya’da dışişleri bakanından sonra ekonomi bakanı da karantinada

Almanya Ekonomi ve Enerji Bakanı Peter Altmaier, 21 Eylül’de Berlin’de yapılan AB Ticaret Bakanları toplantısına katılan bir AB bakanının çalışanının yeni tip koronavirüs (Kovid-19)...

Killing Fields – Ölüm Tarlaları

Yine bir gazetecilik film klasiği ile karşı karşıyayız. Gazeteciliğin dışında güçlü dostluklara da bence güzel bir örnek teşkil edebilecek nice özelliklerle dolu. Önyargılı düşünüp...