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Erzählung: Beim Einkaufen

Erzählung: Beim Einkaufen

Samstags sind die Straßen Hamburgs, wie an jedem Wochenende, mit Stadtbewohnern überfüllt, die unter Panik und Angstzuständen wie bescheuert einkaufen. Es ist als ob sie davon ausgehen würden, dass die Welt am kommenden Sonntag untergehen würde. Darum möchten sie an ihrem letzten Samstag einkaufen. Egal ob sie es nötig haben oder nicht. Man ist ja unterwegs, es ist nicht möglich sich vom Kaufrausch fern zu halten oder sich knallhart zu diztanzieren. Man kauft eben ein ohne es zu merken. Wenn zuhause nicht unbedingt jetzt darüber gemeckert wird, dass das was man gekauft hat unnötig sei, dann geschieht dies am kommenden Montag.

Das Einkaufen ist ein Stadtsport. In mancher Hinsicht sogar schon ein deutscher Nationalsport. Der Discounter ist wieder voll mit Menschen. Dort kann man jeden treffen. Die Gesellschaftsschichten, Sprachen, Rassen, Nationen dort zu treffen, sind egal. Der Mensch ist aus so einem Organismus entstanden, der Wasser, Essen, Obst, Gemüse, Nachtisch, Nähe und Wärme jeglicher Art, Gewürz, Klamotten, Schmuckstücke, Schokolade und sogar auch Schnaps, Früchte oder Gemüsesaft braucht. Wie man nach dem Einkaufen alles nach Hause trägt oder schleppt, das ist eine andere Frage. Die einzig jetzige Angelegenheit ist, wo man was kaufen kann.

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Alle Ecken, Stände und Regale sind voll mit Menschen, die seit Tagen unter Hunger und Durst leiden. Sie müssen einkaufen, machen aber nicht den Eindruck als ob sie abgenommen hätten. An ihren wohlhabenden Wangen erkennt man keine Spur von Leiden oder Not. Es kann aber auch täuschen. Wenn so viele Menschen so vieles kaufen oder kaufen wollen, müssen sie einen trifftigen Grund dafür haben. Man macht mit, solange man den Laden freiwilig betritt.

Frauen mit Kinderwagen. Draußen ist kein einziger Einkaufswagen mehr vorhanden. Alle sind vergeben, denn sie verkehren drinnen im Laden von einem Flur zum anderen. Eine eilige Frau flitzt in den Laden herein. Ohne Zeit verlieren zu wollen, geht sie hin und her. Sie weiß offensichtlich ganz genau, wo sich was befindet. Sie stopft die Waren in ihre mitgebrachte Stofftasche rein. Im Gegensatz zu den Plastiktaschen sind diese wiederverwertbar und sie werden die Erde nicht 500 Jahre lang verschmutzen. Sie kauft also pflichtbewußt ein. Sie scheint viel Erfahrung beim Einkaufen zu haben. Die eiligen Schritte und die selbstbewußten Bewegungen ihrer Hände und Arme bestätigen dies. Sie ist ein Emanzi, sie lässt sich weder einschüchtern, noch unter miesen Umständen zur Aufgabe zwingen. Sie besitzt einen geborenen Kampfgeist.

Sie findet ihre Gummibärchen ohne lange zu zögern oder zu suchen. Sie tut Knäckebrot in ihre Stofftasche rein, eine Erdbeermarmelade auch. Aber davor schaut sie genau den Deckel an, um zu prüfen, ob das Verfallsdatum noch gültig ist. Eine Pizza und ein Sechserpack Eier, natürlich Bio, landen auch in der Tasche. Dazu noch eine Avokado, drei Bananen und zwei Äpfel. Dabei redet sie die ganze Zeit über mit sich selbst. Sie muß dazu noch Olivenöl kaufen. Endlich ist der Moment gekommen, sie findet es nicht! Denn das Öl- und Margarinensortiment im Laden ist umgezogen. Es gefiel der Frau. Sie sucht und sucht, schnell wirft sie ihre Blicke in die verschiedenen Flure und Gänge. Die über zwei Paletten gestapelten Öl und Magarine Sorten findet sie am Ende doch noch.

Sie liest fast alle Deckel gründlich durch, um herauszufinden, ob sie alle noch essbar bzw. brauchbar sind. Eine Flasche italienisches Olivenöl nimmt sie aus dem Kasten heraus. Ihre Hände sind beide besetzt, in der Linken hält sie ihre fast volle Tasche, in der Rechten ihren gerollten 50 € Schein. Mit dem Daumen und Zeigefinger hält sie die Flasche fest, zumindest für einen Moment. Als ob sie es vorgeahnt hätte, fällt die die Flasche auf den Fußboden. Alles wird voller Glasscherben und Ölhäufchen, was ein gefährliches Aussehen erschafft. Die vielen fremden Blicke stören die junge Frau kaum. Sie rennt zur Kasse und verlangt einen Mitarbeiter, weil sie Hilfe brauche.

Hinten vom Laden kommt eine sehr verärgerte Mitarbeiterin bereits mit Eimer und Waschlappen vorbei.

„Warum verwenden Sie nicht wie die anderen Kunden einen Einkaufswagen?“

„Alle Wagen waren besetzt. Außerdem ist es mein Problem ob ich mit oder ohne einem Wagen einkaufe und es tut mir ja leid!“

„Ja ja!“

„Nix ja ja! Sorry!“

Sie nimmt erneut eine Flasche. Dieses Mal ist sie extrem vorsichtig und stellt sich an die Kassenschlange, die nur sehr langsam vorangeht.

23.12.2012

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