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Erzählung: Hamburger Kultur

Erzählung: Hamburger Kultur

Egal wen man fragt, was man unter Hamburger Kultur versteht, man wird öfters die gleiche Antwort zu hören bekommen. Nämlich Reeperbahn, Alster, Elbphilharmonie, Elbe, Jungfernstieg, St. Pauli, Volksparkstadion, Schanzenviertel, Landungsbrücken, Flüchtlinge aus der ganzen Welt, Cinemaxx, Blankenese, Mopo, Uni Krankenhaus Eppendorf, Altona, Neuengamme, Grindelalle. Dazu zahlreiche Kneipen jeder Art, internationale Flaggen und deren Vertreter, darunter Menschen, kosmopolitische Geschäftsbeziehungen, transatlantischer Verkehr jeglicher Art.

Also über die Bordelle, Swingerclubs, Gaykinos, Seeleutebars, dunkle Gassen an Landungsbrücken, etliche Grünflächen und Parks, Vertreter sovieler Medien, Schnellstraßen, hunderte von Brücken, teure Sozialwohnungen des Vaterstaats, unausreichende Mindestlöhne, Abschiebungen der Fluchtsuchenden in die Ungewissheit, eine unbelesene und unkultivierte Mehrheit, sich jede Wahlperiode erhöhende Nichtwählerzahlen, fast ganze Semester leerer, laufender Unterrichtstunden der Schulen, gängige Parteien und deren Vertreter, welche ich hier nicht nenne. Allerdings würde kein Mensch auf die Idee kommen, das Dinge die zehn- bis dreizehntausend Jahren vor Christus existierten, gemeint wären.

Eigentlich sollte man unter der Hamburger Kultur nicht nur mich alleine verstehen. Es wäre falsch und lückenhaft. Diese gleiche Kultur war mit mir zusammen auch in den Niederlanden, Dänemark, Nordpolen und in Norddeutschland die verbreitetste archäologische Kultur. Als ungefähres Datum ist die Endphase der Eiszeit zu verstehen. Genauer gesagt die erste Warmphase nach der Weichsel-Eiszeit, also 13.700-12.200 v. Chr. Mich haben sie aber erst im 19. Jahrhundert nach Chr. nach den Funden Alsterufer bei Hamburg-Wellingsbüttel benannt.

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Der durchschnittliche Mensch ist sicherlich denkfaul. Jeder kämpft einzeln um sein Brot zu verdienen, also geht es dabei um das nackte Überleben. Vergleichbar mit anderen Ländern und Nationen ist nichts neu und anders. Mit einer großen Ausnahme, denn so viele Millionäre ja sogar Milliardäre leben in dieser Stadt. Geschweige über die sozialen Probleme und verschiedenen Weltansichten, warum sollten Hamburger sich über so lange Zeit Gedanken machen und sich so viele Fragen stellen, wer lebte damals in dieser wunderschönen Stadt, vorallem wie lebten Menschen hier überhaupt? Ohne Bahn, Bus und Berufsverkehr, ohne Stau, Parkprobleme, knöllchenfrei und steuerlos? Ohne Flughafen, ZOB und Hafen? Oder warum sollten Hamburger sich ähnliche Fragen stellen und sich darüber den Kopf zerbrechen?

Hatten die damaligen Menschen tatsächlich so große Kopfgrößen, vergleichbar mit den hässlichen Kopfformen und Gesichtszügen der heutigen Schönheitsvorstellung? Waren alle Jäger? Was machten sie wenn sie genügend gejagt hatten? Wie funktionierte das alltägliche Leben überhaupt? Gab es schon Gesetze und Regelungen oder lebten sie ohne Jura und Gerechtigkeit wildfrei und unter Willkür? Galten die Gesetze und Befehle des Stärksten? Hatten diese Menschen auch unter Migräne, Gastritis, Magengeschwüre, Depressionen, Stress oder Krebs gelitten wie wir? Oder hatten sie ganz andere Krankheiten gehabt als die heutigen, sogenannten Modernen?

Womit und wie haben sie sich amüsiert, waren sie auch spaßig und gesellig wie heute? Haben sie auch geheiratet und dabei wie die einigen Migranten der heutigen Zeit in die Luft Pfeile oder Speere geschossen? Gründeten sie auch glückliche Familien, gab es Scheidungs- oder Unterhaltsprobleme? Was machten sie mit ihren Toten, haben sie sie gefressen, begraben oder der Wildnis zum Fraß vorgeworfen? Wie haben sie sich gegen ihre Feinde geschützt und verteidigt, mit schönen Worten und der Zauberei oder mit wirkungsvollen Waffen und erbitterten Kämpfen? Woran glaubten sie am meisten und warum, wessen Idee war es, hatten sie auch Propheten oder religiöse Tabus? Waren sie schon ansässig oder lebten sie nomadenartig, heute in Lurup morgen in Barmbek, übermorgen in Bergedorf oder ähnliches?

Soviele Fragen und weiteres kann leider nicht mal ich beantworten, denn ich bin nur die Hamburger Kultur und kein Lehrsaal für Weltgeschichten. In meinem Zeitraum wanderten so wie die Menschen auch etliche Tiere, darunter große Rentierherden nach den Jahreszeiten hier und da um mich herum. Wie viel schöner die Zeit war als heute, das können Sie sich nicht mal vorstellen. Die Jäger, vorallem die Rentierjäger, die meiner Zeit, also meiner Kultur angehörten, jagten mit selbstgemachten, primitiven Waffen, sowie Speeren und Speerschleudern. Sie jagten insbesondere Pferde, Vögel, Niederwild, selbstverständlich auch Fische. Wenn sich Essbares sich auf meinem Boden befand, wurde es einfach gejagt. Sie hausten auf meinen Siedlungsplätzen in ihren Zelten.

Leicht gesagt und leicht verstanden, aber darüber muss man sich erstmal ein Bild machen. Was bedeutet es, in damaligen Verhältnissen zu jagen? Sicher brauchte man dafür keine Erlaubnisse, Sonderscheine oder Genehmigungen von irgendwelchen Behörden. Der freie Mensch war überall aber noch nicht mächtig, einzeln waren sie bedeutungslos und zerbrechlich wie heute. Daher lebten Menschen in kleineren Gruppen gemeinsam. Man kann von den ersten Dorfbeziehungen und Lebensarten sprechen. Sie zelten habe ich gesagt. Es gab keine große Stoffauswahl wie heute. Dazu dienten dickes Fell und Häute von irgendwelchen Tieren, also waren die Stoffe hauptsächlich verschiedene Tierfelle, die gegen Kälte und Nässe stand hielten und nicht so leicht und schnell kaputt gingen.

Es gab keine Jagdgewehre oder Samurai-Katanas, auch keine Kavallerie oder Artillerietruppen, auch keine Fallschirmspringer. Vergleichbar mit heute, kann man fast von nackten, bloßen Händen sprechen. Ihre Ausrüstung bestanden aus primitiven selbstgemachten Speeren, Stöcken, geschärften und geschnitzelten Gegenständen aus Steinen. Auch wenn sie mit diesen Waffen ausgerüstet waren, es reichte nicht aus um ein Riesentier zu jagen. Dafür brauchte man Verstand, kollegiale Arbeitsaufteilung, Solidarität, wirkungsvollen Kampfgeist und Gemeinschaftkeitsgefühle und Bindungen.

Jagen bedeutete Überleben, wie seine Nachfahren heute zur Arbeit gehen, ohne Arbeit kein Geld, ohne Geld was für ein Leben ist möglich? Ohne Jagd hungerten Menschen, siedelten an fruchtbarem Boden, suchten geeignete Orte und Jagdplätze. Somit kamen sie auch an mich vorbei und rasteten zuerst um mich herum. Nachdem sie gesehen haben wie großzügig ich bin, entschieden sie sich hier zu bleiben. Wir wurden Freunde und Eins. Seitdem habe ich euch an meinem Hals.

Die Funde von Werkzeugen und Tierresten um mich herum müssen eigentlich ausreichen um mich und mein Gerede zu bestätigen. Genauere Bezeichnungen dieser Dinge und Orte überlasse ich an Experten oder den richtig Neugierigen. Mir geht es dabei um euch zu sagen: „Hallo Leute, hier bin ich, immer noch mit euch, unter euch. Mich dürft ihr nicht vergessen! In diesem Boden verkehren seit so langer Zeit so viele verschiedene Menschen. So viele Ethnien, Gruppen, Sprachen, Rassen, Nationen habe selbst ich längst vergessen. Hier gibt es für jeden eine Heimat und Zuhause. Auf meinem fruchtbaren Boden seid ihr alle frei und glücklich, natürlich wenn ihr es wollt…“

Eins dürft ihr aber nicht vergessen, auch damals brauchten Menschen einen Hirten. Ohne Anführer oder Wegweiser sind sie vorprogrammiert alles zu verlieren oder von ihrem Weg abzukommen. Warum habe ich mich schon seit dem gefragt aber keine Antwort gefunden. Das hat anscheinend mit menschlicher Seele zu tun, nicht mit mir oder mit meinem geographischen Aussehen. Wenn ich ein Bespiel geben sollte, es wurde zum Beispiel ein 15 cm langer Geweihstab mit Gesichtsdarstellungsgefunden aus meiner Zeit gefunden. Viele fragten sich, was ist das und warum vor allem von wem wurde es benutzt. Dieser gehörte dem Medizinmann, der lange Zeit als Anführer oder als Helfer des Anführers galt.

Der Stärkste führte wie die Schafe die Gruppen, die Schlauesten oder Weisesten zeigten den Weg, dem man anständig folgen sollte. Diesen Geweihstab benutzen sie sogar noch heute als Statdwappen. Ich darf ohne Kommentare sagen, ein Mitglied der echten Nazipartei fand mich heraus. Also gilt er in den Geschichtsbücher als mein Erfinder. Nachdem er mit seinem Fahrrad und Freund gemeinsam von Hamburg bis zum Nahen Osten gefahren ist, beschäftigte er sich mehr mit der vor-historischen Zeit. Irgendwann wurde er von einem anderen berühmten Hamburger Nazi-Prähistoriker gefördert. Irgendwann war es so weit, dass sie mich ins Leben rufen mussten, meine Überreste nicht mehr zum Übersehen waren.

Man darf aber nicht vergessen, dass es vor diesen beiden Nazis auch etliche Grabungen und Funde gab. Aber von der Jägerzeit ist hier das Gerede, also mich sollte man so verstehen, in meiner Ära wurde kräftig gejagt. Menschen waren und lebten um mich herum glücklich und zusammen. Es waren kaum Kriege unter oder gegeneinander im heutigen Sinne. Die Mutternatur reichte uns allen vollkommen. Die Gier, die Ausbeutung und die Habsucht waren noch nicht an der menschlichen Tagesordnung. Es herrschte ein kollektiver Geist über diesem Land, der Geschichte machen würde.

Es hat aus meiner Zeit wie ich vorhin sagte, zahlreiche Funde gegeben, sowie Pfeilspitzen, Steine, die Artefakte, also durch menschliche Einwirkung erzeugte oder veränderte Gegenstände aus Rentiergeweihen. Dazu fanden sie etliche Knochen von Opfertieren. Die Werkzeuge wurden aus Flint angefertigt, dürfen nicht vergessen werden. Ich darf eingestehen, somit war ganz deutlich und klar, dass die Jäger am Ende der Eiszeit in Hamburg und Umgebung besonders Renntiere gejagt haben. Es gibt über mich und auch von mir so viele Beweise, überprüfbare Kentnisse und Informationen. Ihr dürft mich so einfach nicht vergessen.

15.01.2019

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