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Montag, Juni 21, 2021
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Interview mit dem Hamburger Filmemacher, Satiriker, Karikaturist, Theaterregisseur und Drehbuchautor Bülent Taş

Er wurde im Sommerurlaub im Izmir Flughafen festgenommen und nach zwei Tagen willkürlicher Haft abgeschoben. Seine Einreise in die Türkei wurde verweigert. Er soll mit seinen humoristischen Waffen den Präsidenten des Landes angegriffen und gegen die Regierung terroristische Propaganda vertrieben haben. Hier ein ausführliches Interview mit ihm, wie alles geschah und was nun passiert:

– Wie waren die Urlaubsvorbereitungen? Was wurde mit der Familie vorgeplant? Wie lange sollte die Reise andauern? Wo wolltest du hinfliegen und was hattest du vor, während der Urlaubszeit zu unternehmen?

– Nachdem mein Vater verstorben war, ging ich seit paar Jahren nicht in die Türkei. Meine Mutter war krank, dieses Jahr musste ich unbedingt zur Familie fliegen. Meine Frau stammt aus Izmir. Erst wollten wir ein paar Tage in Izmir verbringen. Von dort planten wir nach Kars, wo ich herkomme, weiter zu fliegen. Also zwei Tage Aufenthalt in Izmir, achtzehn Tage Kars besuchen und im Rückkehr noch mal nach Izmir.

Die Kinder freuen sich, es sind Schulferien. Sie werden wieder ihre Verwandten treffen, schöne gute Zeit im Urlaub verbringen. Es waren 23 Tagen mit hin und zurück geplant. Also kann ich dazu sagen alles war so geplant und wäre so gelaufen, wie man es von einem Urlaub erwarten würde. Ganz üblich und normal würde ich sagen. Ich habe viele künstlerischen Talente, aber diese Reise hat gezeigt, dass Voraussehen nicht eines davon ist.

– Wie war der Moment der Festnahme? Wie würdest du diesen Augenblick beschreiben? Was hast du als Erstes erlebt?

– Es waren 5-10 Fluggäste, die noch übriggeblieben waren und beim letzten Kontrollcheck vorbeikamen. Bei der Passkontrolle haben sie bewusst und gezielt mich ausgewählt und aus der Reihe genommen. Eindeutig warteten sie auf mich, als ob sie sich dafür vorbereitet hätten. Es war kein Irrtum, es ist nicht irgendein Fehler unterlaufen. Nur mich haben sie aus der Warteschlange herausgepickt. Nachdem sie gesehen haben, dass ich mit meiner Familie war und Kinder dabei hatte, haben sie diese passieren lassen. Sie durften vorbeigehen aber ich musste abwarten. Ich durfte nirgendwohin.

Mein Telefon war in meiner Hand und mit einer plötzlichen Bewegung hatten sie es aus meiner Hand weggenommen. Mit etwa 4-5 Beamten in Zivilbekleidung haben sie mich zum Verhör genommen. Ich dachte, dass wegen meinen Namensähnlichkeiten ein Problem wäre. In der Vergangenheit hatte ich mal so ein Problem gehabt. Ich bin ja nicht der einzige Bülent Taş, mit diesem Namen gibt es mehrere. In kurzer Zeit habe ich aber verstanden, dass dies mit Datenverwechslung nicht zu tun hatte.

Sie suchten ständig etwas, mit dem sie mich beschuldigen wollten. Ich hatte keine Angst oder Panik, weil ich nichts zu befürchten hatte. Ich habe weder was verbrochen, noch bin ich mit Gestzen in Konflikt geraten. Was ich in sozialen Medien poste, wurden vorher schon in Karikaturblättern und Zeitschriften veröffentlicht. Daher hatte ich nichts zu befürchten. Was sie mich fragten und wie sie meine Antworten deuteten und verstehen wollten, waren eigentlich nur lustige aber auch traurige Ausreden. So hat es einige Zeit gedauert. Sie fragten, ich antwortete brav und naiv. Egal was ich machte und sagte, es reichte für sie nicht aus. Sie wollten mir irgendwas anhängen und beschuldigen, aber irgendwie reichte ihre Intelligenzquote dafür nicht aus.

– Hast du dich eher so gefühlt bei einer frischen Tat ertappt zu werden, oder hast selbstsicher gedacht, dass es sicherlich ein Irrtum wäre?

Ich war ruhig und besonnen. Sie gaben mir etliche Ratschläge: Ich sollte keine humoristischen Texte schreiben und auszeichnen. Ich sollte nicht lachen. Ich sollte keine Satire schreiben. Mir kam so vor als ob sie mir “Lebe nicht mehr” sagten. Humor, Lachen, Satire sind meine Verpflichtungen, mein Leben, mein Existenzsinn. Ich bin ein durchschnittlicher Bürger. Ich bin weder in einer politischen Organisation tätig, noch habe ich welche radikalen politischen Ansichten. Zum Glück nicht. Wenn ich so eine Person wäre, wer weiß was sie mit mir angestellt hätten. Wer weiß was sie mit solchen politischen Menschen antun?

Wie gesagt, diese fünf Personen haben angefangen mich zu verhören. Einige Fragen waren schon davor vorbereitet. Hier und da veröffentlichte Texte oder Bilder zeigten sie mir und versuchten mich damit zu beschuldigen. Ich habe irgendwann in einem Social-Media-Post „recepziyon“ anstelle des türkischen Wortes „resepsiyon“, was Empfang auf Englisch bedeutet, geschrieben. Das Wort „recepziyon“ sollte ein eindeutiger Beweis dafür sein, weil es auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan bezogen sein sollte. Sie fragten mich wortwörtlich, „machst du dich lustig über unseren Präsidenten?“ Ich musste erläutern, was ich damit meinte.

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Noch ein paar solche Posts und Mitteilungen haben sie mir vorgezeigt. Sie haben schon vorher Notizen gemacht, die Linkadressen aufgeschrieben, also gut vorbereitet muss ich sagen. Andauernd wollten sie mich beschuldigen, mir etwas vorwerfen und mich kriminalisieren. Als ob sie gleichzeitig der Staatsanwalt und der Richter wären. Wenn sie diese Möglichkeit hätten, hätten sie mich dort sofort beurteilt und bestraft. Langsam habe ich verstanden, dass sie mich mit irgendeiner Lügengeschichte verhaften und ins Gefängnis stecken, oder mir irgendetwas Großes anhängen wollen.

– Was wurde noch erlebt und was ist danach passiert?

Das Verhör hat ungefähr drei Stunden gedauert. Diese ständigen Beschuldigungen hörten nicht auf. Was auch immer sie durch die Hilfe von Google gefunden haben, darüber fragten sie mich. Zum Beispiel gab es einen Text „Excuse me Herr Präsident“. Sie fragten mich warum ich das geschrieben habe, ob ich Präsident Erdogan meine und ihn verspotte. Ich habe geantwortet, dass ich Präsident Trump gemeint habe. Daraufhin sagten sie: „Schreibe auch über ihn nicht mehr. Er ist auch unser Präsident!“ Es war eine absurde, bescheuerte Situation, in der ich mich befand. Ich schreibe all meine Texte in Deutschland und veröffentliche auch dort. Was haben sie mit der Türkei zu tun.

Sie kamen zu meinen Filmen. Warum sie in so vielen Ländern bzw. auf internationaler Ebene gezeigt werden, ob ich damit die Türkei vor der Weltöffentlichkeit schlecht mache. Irgendwo soll ich geschrieben haben „Weg mit den Grenzen! In der Liebe gibt es keine Grenzen“. Sie verdrehten diesen Text, ob ich gegen das Militär was habe, gegen nationale Grenzen etwas vorhabe. Sie fragten mich, was meine ich eigentlich mit der Liebe, was bezwecke ich mit der Erklärung und Erzählung der Liebe? Mein Film, „The Bread Bank“ der im Cannes Filmfestival den Kurzfilm Preis bekommen hat, wurde beschuldigt. Sie fragten mich was ist dieser „Brotkampf“. Ich erklärte, dass es nicht Brotkampf, sondern Brotbank bedeutet. Es ist ein Liebesfilm. Irgendwann kam ihr Vorgesetzter. Sie fragten mich ob ich im Cannes Film Festival die Türkei schlecht gemacht habe. Ich antwortete, dass mir dort nicht mal ein Mikrophon gereicht wurde. Dann fragten sie mich warum ich Kurzfilme drehe. Ich antwortete daraufhin, weil ich kein Geld habe. Wenn sie mir Geld geben, wäre ich auch bereit längere Filme zu machen.

Ein paar aus dem Verhörteam waren sehr aggressiv. Einer von denen zeigte ein Gruppenfoto von unserer Theatergruppe. Wie viele andere Theatergruppen in dieser Stadt sind auch wir unabhängig und versuchen unter schweren bzw. miserablen Umständen Theater zu machen. Wir treffen uns in den Kellerräumen, Sportplätzen. Egal wo wir einen eigentlich fürs Proben geeigneten Ort finden, springen wir rauf. Keine Behörde unterstützt uns. Das Foto, dass sie gezeigt haben, wurde vor einer Wand aufgenommen. Die Wand ist mit etlichem Graffiti voll beschmiert. Er zeigte mir gelb, grün, rote Farbe und fragte mich, was das sein soll? Ich sagte, dass es die ghanaische Flagge ist. Er sagte: „Nein nein, das ist die Flagge von Kurdistan.“

Mit solchen Attacken und Verteidigungen vergingen die Minuten. Sie versuchten mir Angst einzujagen. Ich solle mit diesen Beweisen lange Jahre im Gefängnis bleiben. Sie beschuldigten mich, dass ich weiß, wie man deren Fragen richtig beantworten soll. Fast alle haben mein Telefon studiert. Irgendwann fragte einer den anderen: „Hat er die beiden Nummern schon angerufen, habt ihr das überprüft?“. Der Andere antwortete: „Nein mein Vorgesetzter, hat er nicht“. Ich weiß nicht wem diese beiden Nummern gehören sollen, aber zum Glück hatte ich sie nicht angerufen. Ich hatte erwartet, dass sie jetzt selber mit meinem Telefon diese Nummern anrufen werden und mich dann damit beschuldigen. Sie waren bereit um alles zu machen, sie wollten mich ja zur Strecke bringen. Ich hatte mal irgendwann ein Theaterstück geschrieben, welches zu dieser Situation passte. Eines Tages finden die Polizei bei einer Personenkontrolle bei einem Jungen ein Poster von Karl Marx. Als sie ihn fragen wer das sein soll, antwortete er, dass es sein Vater sei. Daraufhin verbreiten die Bullen untereinander die erfreuliche Nachricht, dass sie den Sohn von Karl Marx erwischt haben. Ähnliche Umstände erlebte ich jetzt im eigenen Leib und Seele. Es war keine fiktive Geschichte, sondern bittere Wahrheit.

Andauernd suchten sie auf Google etwas. Fast alle Texte und Artikel waren aus meinem Buch, das beim Protest Verlag veröffentlicht worden war. Damit versuchten sie mich zu beschuldigen. Das Buch erschien vor so vielen Jahren. Warum sollen auf einmal diese Texte verboten oder schädlich sein. Ich habe versucht zu erklären, dass das Buch vor Jahren erschienen ist, dass die genannten Texte aus diesem Buch stammen. Sie beschuldigten mich und fragten warum meine humoristischen Texte am meisten in den Satiriker-Suchmaschinen auftauchen. Egal wie oft ich sagte, dass ich ein durchschnittlicher Mensch und Humorist bin, sie glaubten mir nicht. Ich solle damit aufhören, lustige Texte zu schreiben. Das haben sie mir klar und deutlich verboten und untersagt.

– Kannst du uns die Stunden, in denen du dort willkürlich aufgehalten worden bist, erklären? Warst du festgenommen oder verhaftet, oder war es eher ein willkürliches Stoppen und Aufhalten? Wie bezeichnest du das?

– Mir kam das ganze sehr merkwürdig vor. Ihr Vorgesetzter kam bisschen spät. Erst konnten sie mir selber keine Bedeutung schenken. Sie wussten teilweise selber nicht wohin mit mir. Sie sagten mir, dass ich im „Dickkopfszimmer“ bleiben werde. Der Name dieses Zimmer war auch falsch geschrieben. Polizisten können kein richtiges Türkisch, dachte ich mir. In diesem Zimmer bleiben anscheinend Menschen wie ich. Einschüchterungszimmer könnte man besser sagen. Sie bleiben dort stundenlang, dürfen das Zimmer nicht verlassen. Es war keine richtige Festnahme. Auch keine Verhaftung. Vorübergehende aufhalten, könnte man sagen. In diesem Zimmer, welches wohl für dickköpfige Menschen wie mich im Flughafen vorbereitet wurde, musste ich einen Tag abwarten. Was sie mit mir anstellen wollten, war mir nach wie vor erschreckend unbekannt.

Nach eineinhalb Tagen sagten sie mir, dass meine Familie bleiben darf, aber ich nicht. Ich sollte zum deutschen Konsulat gehen und mein Rückflugticket besorgen. Ich bin zum deutschen Konsulat gegangen. Was für ein Theater. Keiner weiß davon etwas. Ich bin eigentlich ein Künstler, der der Öffentlichkeit bekannt ist. Über 20 künstlerische Aktivitäten habe hervorgebracht. Was ich erlebt habe, als ob die Kunst und Theater terroristische Aktivitäten wären. Vor dem Konsulat haben sie mich nicht mal reingelassen. Es ist nicht unsere Angelegenheit, haben sie gesagt. Was mache ich? Sind meine Filme oder Theaterstücke etwa Bomben, oder Waffen, mit denen ich Menschen umbringe? Was mache ich mit meiner Kunst und Aktivitäten? Einfach kriminalisieren sie mich, damit um mich herum keiner bleibt. Freunde und Bekannte werden von mir eingeschüchtert, ich wurde regelrecht isoliert und allein gelassen. Am Ende haben sie meinen Rückflug bei der Lufthansa telefonisch gebucht, das Ticket vorne genommen und mich ausgewiesen.

– Was sagst du als Künstler dazu, dass ein oder mehrere Uniformierte, die vielleicht ein paar hundert Euro die Woche verdienen, die vor einem Tor des Landes warten und wie in einem schlechten Komödienfilm entschieden: „Du kommst rein, du nicht, der darf, sie nicht?“

– Das Ganze war ein komisches, sogar tragikomisches Bild. Ich bin ein produktiver Künstler. Themen zu finden, fällt mir leicht. Als Charakter bin ich ein humanistischer Mensch. Als wir Kinder waren spielten wir in unserem Stadtteil wie alle anderen Kinder gerne Fußball. Der Unbeliebteste musste immer als Torwächter spielen. Wer als Torwächter gewählt worden war, wusste immer, dass er unbeliebt ist. Er ging traurig zum Tor. Das was ich erlebt habe, ist fast das Gleiche. Das Spiel aber spielt man nicht mehr im Fußballplatz, sondern an der Grenze eines Landes. Dazu haben sie eigentlich kein Recht. Ich bin schließlich ein deutscher Staatsbürger. Was ist mit Meinungsfreiheit, geschweige der künstlerischen Freiheit?

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Sie beschuldigten mich keine türkische Staatsbürgerschaft zu besitzen. Ich fragte warum sollte dies wichtig sein? Damit sie meine ursprünglichen Daten sich anschauen könnten, meinten sie. Im Internet, in der virtuellen Welt machen weltweit Menschen ihren Protest. Sie äußern sich politisch, kulturell, wie es gerade ihrer Lust und Laune passt. Was soll das? Mit diesen mittelalterlichen Denkweisen und Ansichten denken sie, dass sie auch das Internet kontrollieren und x-beliebig steuern.

– Was haben deine deutschen Freunde nachdem du zurückgekehrt bist gesagt und getan? Haben sie Interesse gezeigt? Was waren deren Reaktionen?

– Die wahren Freundinnen und Freunden haben angerufen, besucht, nachgefragt. Ein paar Medien haben sich gemeldet. Ein paar Interviews durchgeführt, Treffen verwirklicht. Weder Institutionen noch irgendwelche Vereine haben sich gemeldet. Die Künstler werden unter normalen Umständen nicht unterstützt, geschweige nach so einem Fall. Es gibt so viele Vereine, Zivile Vereinigungen, Nicht-Regierungs-Organisationen, aber von keinem habe ich was gehört. Die Solidarität unter solchen Tagen hat großen Bedarf, ist aber nirgendwo zu sehen. Der Arm der türkischen Regierung ist viel länger als man denkt. Er reicht eindeutig bis hierher. Ein paar Künstler Freunde haben sich gemeldet und die lokalen Medien. Von der Einwandererpresse haben nur „Avrupa Postasi“, „Süheyla Kaplan“ und „Yeni Özgür Politika“ über mich berichtet. NDR, Die Taz und Die Welt haben auch darüber berichtet.

Auch die Reaktionen des Künstlerumfelds haben mich bedrückt. Sie zeigten weder Interesse, noch die dafür nötige Sensibilität. Die Leute, die vorher ständig ihre Vorschläge verbreiteten, wurden auf einmal ruhig und still. Dieser Angriff ist eigentlich nicht gegen mich persönlich. Auch gegen alle Künstler, die nicht denken, schreiben, lachen, Witze machen sollen. Wie können sie damit einverstanden sein, das verstehe ich nicht. Zurzeit gilt aktuell, wer über den Kurs zwischen dem amerikanischen Dollar und dem türkischen Lira Witze macht, wird festgenommen oder verhaftet. Wie kann man so was mit seinem eigenen Gewissen vereinbaren.

– Hast du wieder vor in die Türkei einzureisen….

– Auf gar keinen Fall habe ich das vor. Mir kam das Leben dort einfach ausgestorben vor. Dort ist nichts mehr lebendig. Meine Eigenschaften machen mich hier zu einem witzigen, fröhlichen, humorvollen Menschen. Wenn ich dorthin gehe, haben sie mir klar und deutlich gezeigt, dass ich keine Witze mehr machen darf. Für so einen Menschen wie ich, können Sie sich so ein Leben und Umfeld vorstellen?…

– Kannst du über diese Typen mehr sagen, die jeder Zeit dazu bereit waren als ob sie dich auf der Stelle dich foltern würden? Trugen sie irgendwelche Namensschilder oder Nummernanhänger?

– Als ein Theatermacher kann ich dazu sagen, sie versuchten richtig eine Terror- und Panikatmosphäre zu schaffen. Als ob ich kein Künstler bin, sondern jemand, der in der Hand eine Waffe hält, oder im Lande hier und dort Mienen platziert hätte. Bei jedem Satz von mir suchten sie eifrig eigene Bedeutungen. „Du weißt es, du weißt es!“ sagten sie ständig.

Keiner von denen trug weder Namensschild noch Nummernschilder. Untereinander haben sie auch keine Namen genannt.

– Laut internationalem Staatsrecht ist diese Praxis rechtswidrig. Es ist eine willkürliche Praxis. Gedenkst du die Türkei deswegen anzuklagen oder wegen diesem Vorfall vor Gericht zu gehen?

– Um meine Ausweisung zu untersuchen und dagegen vorzugehen, habe ich in der Türkei einen Anwalt beauftragt und ein Verfahren eingeleitet. Es dauert immer noch an. Einen nötigen Antrag habe ich dafür schon gestellt.

Als ein deutscher Bürger überlege ich mir schon die Türkei anzuklagen. Ich habe aber noch keinen Fachanwalt oder Experten dafür gefunden. Wenn ich die nötigen Leute finde, ja ich denke schon. Wenn wir uns alles gefallen lassen, wer weiß was sie morgen mit anderen anstellen werden.

– Erdogan kommt nächsten Monat nach Deutschland, was denkst du gerade darüber nach so einem Vorfall?

– Ich finde es schwer zu fassen, dass er einfach problemlos nach Deutschland kommen kann. Ich würde gerne Merkel persönlich fragen, warum ich wegen dem „Recepsiyon“ Text nicht in die Türkei einreisen darf. Wer wird meine Rechte verteidigen, wer wird meine Rechte nachfragen, wenn nicht unsere Regierung?

– Danke für das Gespräch.

 

22.08.2018
 

 

Wer ist Bülent Taş?

Er ist im Jahre 1975 in der Türkei geboren. Seit 15 Jahren lebt er in Hamburg. Er hat in der Universität Istanbul Journalismus studiert. Er ist Humorist und schreibt Theaterstücke. Seine Texte wurden in den namhaften Karikaturblättern Gırgır und Eurocanlar veröffentlicht. Zwei Bücher von ihm wurden veröffentlicht. Er ist Gründer der Theater Gruppe „Aykırı Işler“. Seine Kurzfilme sind „Eleia“ und „The Bread Bank“.

 

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