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Montag, Oktober 19, 2020
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Sebahattin Topçuoğlu: Der Beitritt der Türkei zur Europäischen Union aus der kurdischen Perpektive; Eine empirische Untersuchung

Die Diplomarbeit II des Hamburger Soziologen Sebahattin Topçuoğlu beschäftigt sich mit der Problematik der kurdischen Ansichten und Blickwinkel über den lange geplanten Beitritt der Türkei zur Europäischen Union. Im Ergebnis der über ein Jahr andauernden Untersuchungen des jungen Soziologen Topçuoğlu, die uns anhand intensiv geführter Interviews mit den kurdischen Repräsentanten ein Bild von originellen Quellen geben, erzählt er, welche Personen über das Thema eigentlich welche Standpunkte haben. Besonders nach der Unabhängigkeit des Kosovo sollte man sich ernsthaft vornehmen, die allgemeine Lage der Kurden nicht zu übersehen, da gerade Dutzende Intellektuelle aus der Türkei eine Friedenserklärung an den Staatspräsidenten des Landes abgaben. Sogar die Kosovaren haben ihre Unabhängigkeit erklärt und sind innerhalb von 24 Stunden gleich von den USA, von Frankreich, der Türkei und von Afghanistan anerkannt worden.

Journalistisch gesehen scheint das Werk Topçuoğlus anfangs eher leichte Arbeit gewesen zu sein. Aber je mehr man sich in das Thema vertieft, merkt man im Grunde genommen, wie schwer es überhaupt gewesen sein musste, an die jeweiligen Gesprächspartner zu kommen. Aus Hamburg findet man ausgewählte Vertreter der Kurden aus bestimmten Provinzen, die überredet und überzeugt werden sollten, überhaupt darüber zu reden, geschweige denn, dazu in der Lage waren, Einiges überhaupt zu bereden.

Deutschland weiß, was die CDU über das Beitrittsvorhaben der Türkei denkt und ihr als Bedingungen diktiert. Die anderen Parteien sagen im Großen und Ganzen nicht viel dazu und im Kern sagen eigentlich fast alle das Gleiche. Die Kemalisten und Idealisten spielen immer noch auf den Ruf der „fähigen und großen Türken und der Türkei“. Sogar die Islamisten und die einflussreichen islamischen Kreise meinen es ernt und ehrlich mit ihrem Plan, die Türkei in die EU zu bringen. Auch die Aleviten sind für die EU. Die Linken des Landes sind in ihrem Denken traurigerweise genauso eingestellt wie ihre ständigen politischen Gegner, die Ultranationalisten, gegen die EU und die Verwestlichung des Landes.

Genau deshalb kommt der Arbeit von Topçuoğlu eine bedeutungsvolle Rolle zu, wenn man sich hier mit der Diskussion beschäftigt, warum und wie die Kurden in der Tat über den Beitritt der Türkei in die EU denken. Der Autor lässt nicht seine Fantasien oder seine eigenen Gedanken zur Sprache kommen. Stattdessen geht er nach den einzelnen kurdischen Provinzen zu den Kurden im Ausland über. Er befragt sie intensiv und detailliert zu diesem Thema. Er stellt im Einzelnen klar heraus, wer genau was darüber denkt. Es ist nicht ungerecht oder unangebracht, seine Arbeit eine empirische Untersuchung zu nennen. Denn die Fakten geben nicht die subjektiven Ansichten und das Gedankengut von irgendjemand Einzelnem oder bestimmten Gruppierungen wieder. In diesem Sinne verwirklicht Topçuoğlu auch in der kurdischen Gemeinde etwas Neues. Nämlich die Darlegung einer freien Meinungsäußerung über Europa, die EU und die Beitrittspläne der Türkei direkt von Kurden.

Am Beginn des Buches behandelt der Soziologe die kurdische Rolle bei der Gründung der türkischen Republik. Dann beschäftigt er sich mit den Unterstützungsaspekten der Kurden mit Möglichkeiten und Gefahren für einen eventuellen Beitritt. Danach behandelt er in einem weiteren Kapitel die Reformen, die im Rahmen der Kopenhagener Kriterien durchgeführt wurden. Die kurdischen Forderungen und ihre Konzepte sind das nächste Thema. Im fünften Teil untersucht der Autor intensiv die so genannten Kopenhagener Kriterien auf die Frage hin, inwieweit sie als eine mögliche Lösung der Kurdenproblematik betrachtet werden sollten und könnten. Die zentralen Begriffe „Minderheit“ und „Minderheitenschutz“ werden im nächsten Abschnitt ebenfalls behandelt. Als letztes lässt Topçuoğlu Kurden selbst darüber Auskunft geben, ob sie sich als „Volk“ oder als „Minderheit“ definieren, was für eine Reihe politischer Entscheidungen in der Zukunft natürlich noch von außerordentlicher Bedeutung sein dürfte.

Hier interviewt er den Vorsitzenden der kurdischen Zweigstelle einer Menschenrechtsorganisation, sowie Gewerkschaftler, den für Außenpolitik verantwortlichen Vizepräsidenten einer legalen kurdischen Partei, Schriftsteller und ehemalige Abgeordnete, Architekten und Ingenieure, den Vorsitzenden einer Stiftung für Gesellschaft und Rechtsuntersuchung, den Vorsitzenden der Anwaltskammer in den kurdischen Provinzen, und einen ehemaligen Abgeordneten der DEHAP sowie andere mehr. All diese Stimmen machen seine Mühe und Arbeit zu einer wertvollen und seriösen Leistung.

2008

 

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