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Donnerstag, Oktober 22, 2020
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Die Osmanen (I)

Die ursprünglichen Türken, beziehungsweise die Vorfahren der Türken, kamen als Räuber und Plünderer aus den Steppen Zentralasiens nach Anatolien, angeblich, um dort ihren Glauben zu verbreiten. So entstanden im 10. und 11. Jahrhundert mehrere seldschukische Reiche, zum Teil auch in Syrien, im Iran und Anatolien. Nach dem Untergang des Seldschukenreichs in Anatolien entstanden weiterhin viele kleine Fürstentümer in ganz Kleinasien. Offiziellen historischen Quellen zufolge waren die Ur-Osmanen turkmenischer Herkunft. Nach dem Tod seines Vaters Ertugrul im Jahre 1280 wurde ein gewisser Osman der neue Anführer seiner Stämme. Er war damals 45 Jahre alt und galt als kampferprobt, tapfer, klug und mutig. Osman unterhielt wie sein Vater gute Beziehungen zum Sultan der Seldschuken in Konya. Sie führten gemeinsam Kriegszüge gegen die Byzantiner und einfallende, noch nicht sesshafte Türkenstämme aus dem fernen Zentralasien.

Im Jahr 1299, also rund 50 Jahre nachdem wilde Mongolen den Untergang des Seldschukenreichs herbeigeführt hatten, erklärte Fürst Osman seine Unabhängigkeit, weshalb dieses Jahr als Gründungsjahr seines Staatswesens gilt. Es ist eine nackte Tatsache, dass Osman nach und nach seine benachbarten Stämme mit Gewalt unterwarf. In der Folgezeit unternahm er Kriegszüge bis nach Bursa und dehnte somit seine Herrschaft stetig zwischen Eskisehir, Sögüt und Domanic aus. Als er 1324 starb, hatte er sein Fürstentum schon um die beiden größten byzantinischen Städte bereichert. Osmans Sohn Orhan folgte dem Weg seines Vaters. Er machte das erst kurz zuvor eingenommene Bursa zu seiner Hauptstadt. 1354 griffen die Osmanen bereits die europäische Seite von Marmara an. Auch Ankara wurde in diesem Jahr eingenommen. Daher kann man durchaus sagen, dass die Osmanen gleich nach der Gründung ihres Fürstentums einige kriegerische Streitkräfte besaßen.

Als Orhan 1360 starb, war sein Fürstentum schon ein Großreich und dreimal größer als noch beim Tode seines Vaters. Osman und Orhan fielen mit ihren Kriegern immer wieder ins byzantinische Grenzgebiet ein und vergrößerten so beständig ihr Territorium. Auch ihre Nachfahren setzten diese Gewalt- und Expansionspolitik im Kampf gegen die „Ungläubigen“ fort, so dass der Kalif in Kairo den osmanischen Herrschern bald den Titel „Sultan“ verlieh, was in der damaligen Welt soviel wie Schutzherr des Islam bedeutete. Noch heute ist unter renommierten Historikern höchst umstritten, ob die Osmanen zu dieser Zeit ihre Eroberungen als heilige Kriege legitimierten oder ob es ihnen nicht eher darum ging, einfach reiche Beute zu ergattern. Ob die Osmanen in dieser Zeit überhaupt eine enge Bindung zum Islam hatten und wie stark diese Religion im Volk war, ist bei weitem noch nicht ausreichend geklärt und müsste erst gezielt erforscht werden.

Orhans Nachfolger, sein Sohn Murad I., war der erste Osmanenherrscher, der den Titel „Sultan“ führte. Sein Vater und Großvater starben beide noch als Emir, nicht als Sultan. Nach nur einem Jahr Regentschaft eroberte Murad I. auch Edirne (1361), damals die zweitgrößte byzantinische Stadt nach Konstantinopel. Einige Quellen berichten davon, dass Edirne auch zur neuen Hauptstadt des osmanischen Reiches erklärt wurde, bis es zur Eroberung Konstantinopels kam. 1371 erfolgte der Angriff auf Mazedonien, 1389 die Überfälle auf Serbien und Bosnien. Damit war schon die Grenze des Reiches Anatolien verlassen und das neue Reich hatte sich quer über den Balkan Europa angenähert. Als Murad I. durch ein Attentat getötet wurde, folgte ihm sein Sohn Beyazid I. auf den Thron, nachdem er seinen eigenen Bruder, den er als großen Rivalen ansah, hatte hinrichten lassen. Dieser war es nun, der als erster versuchte, Konstantinopel zu erobern. Nach sieben Jahren Belagerung gab er dieses Vorhaben auf. Trotz seiner Erfolglosigkeit erreichte er, dass die Byzantiner tributpflichtig wurden.

Ein Sieg folgte auf den anderen, bis 1402 bei Ankara die Mongolen unter ihrem legendenumwobenen Feldherren Timur Leng die Osmanen vernichtend schlugen und den Sultan Beyazid gefangen nahmen. Er starb in der Gefangenschaft. Es folgte eine elf Jahre lange Zwischenherrschaft, während derer sein Reich aufgeteilt zwischen seinen Söhnen Süleyman, Mehmed I. und Isa als voneinander unabhängige Fürstentümer weiter bestand: Süleyman regierte über den Teil um Marmara, Mehmed I. über Mittelanatolien und Isa über Westanatolien. Nach drei Jahren starb Timur Leng. In den darauf folgenden zwei Jahrzehnten begegnen wir in der Geschichte nur noch inneren Kämpfen, Intrigen, Verträgen der Osmanen mit den Byzantinern gegen die eigenen Brüder oder gegen die Mongolen. Auch die Legitimation des Brudermordes zur Festigung der Herrschaft wurde in dieser Zeit nicht nur genau strukturiert, sondern sogar als gängige Praxis eingesetzt. Die militärische Stärke des frühen Osmanenreichs beruhte zum größten Teil auf der Vergabe von Lehen. Der Inhaber eines solchen Militärlehens war dazu verpflichtet, als Gegenleistung für die ihm zufließenden Steuerabgaben mit einer Anzahl von Knaben, mit Reittieren und Rüstung für den Lehnsherren Kriegsdienst zu leisten.

(Fortsetzung folgt)

Süleyman Deveci, 2008

Teil II: https://localhost/asite01/2017/12/13/die-osmanen-ii/

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